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Journalistenverband nennt Putin scheinheilig

11. Okt 2006 16:33
Putin in Dresden
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Der Deutsche Journalisten-Verband hat Wladimir Putins Reaktion auf die Ermordung der russischen Journalistin als scheinheilig kritisiert. Die Unterdrückung der Medien habe Sowjet-Ausmaße angenommen.

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat Russlands Präsident Wladimir Putin scharf kritisiert. Seine Aussagen zur Pressefreiheit seien scheinheilig. Es sei zynisch, angesichts des Mordes an der Journalistin Anna Politkowskaja und der täglichen Repressionen gegen Medien in Russland vom Fortschritt der Pressefreiheit zu sprechen, kritisierte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

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  • «Das grauenhafte Verbrechen an der regierungskritischen Journalistin ist nur die Spitze eines Eisbergs», sagte er. Die Unterdrückung kritischer Journalisten und Medien in Russland habe Ausmaße angenommen, wie sie aus der Sowjetzeit bekannt seien, so Konken weiter.

    Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die von Putin zugesagte Aufklärung des Mordes an Politkowskaja weiter zu verfolgen. «Die Bundesregierung muss unter Beweis stellen, dass sie der Entwicklung der Menschenrechte in Russland die gleiche Bedeutung beimisst wie dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen.» Die Untersuchung des Mordes müsse durch unabhängige internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen erfolgen.

    Putin hatte sich am Dienstag beim Petersburger Dialog in Dresden entsetzt über den Mord an der Journalistin geäußert und zugesichert, die Täter vor Gericht zu bringen. Zugleich sagte er aber, Politkowskaja habe in Russland eine eher unbedeutende Rolle gehabt. Zudem sei die Medienlandschaft in Russland so vielfältig, dass eine Unterdrückung gar nicht möglich sei.

    Erschossen im Fahrstuhl

    Anna Politkowskaja, Reporterin der oppositionellen Wochenzeitung «Nowaja Gaseta», war am Samstag im Fahrstuhl ihres Wohnhauses erschossen worden. Putin, der sich am Dienstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel in Dresden getroffen hatte, verurteilte den Mord als «abscheuliches Verbrechen» und bekannte sich in einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» zu Demokratie und Pressefreiheit.

    Die Ermordung der Journalistin habe Russland einen wesentlich größeren Schaden zugefügt als ihre kritischen Texte, sagte Putin der Zeitung. Die Verbrecher müssten gefasst und verurteilt werden. Dafür werde die russische Führung alles tun. (nz)

     
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