09.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Verbandschef Konken
Foto: Privat
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach dem Tod deutscher Journalisten in Afghanistan hat der Deutsche Journalistenverband die Medien aufgefordert, freie Mitarbeiter in Kriegsgebieten besser abzusichern. Statt junger Reporter sollten erfahrene Korrespondenten entsandt werden.
Vor dem Hintergrund der beiden in Afghanistan erschossenen deutschen Journalisten hat der deutsche Journalistenverband (DJV) Medienunternehmen vorgeworfen, leichtfertig junge Berichterstattern in Kriegsgebiete zu entsenden. «Wir beobachten die Tendenz, dass man lieber freie Mitarbeiter und junge Leute in solche Konfliktgebiete schickt», sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken der Netzeitung.
Die Sender und Zeitungsverlage sollten hierfür «lieber auf erfahrene Korrespondenten zurückgreifen, die nicht unter dem Druck stehen, Geld zu verdienen». Im Gegensatz zu Festangestellten erhalten freie Mitarbeiter häufig nur Tagessätze als Vergütung.
Nachts erschossenKonken forderte die Auftraggeber freier Journalisten zudem auf, ihre Fürsorgepflicht zu erfüllen und solche Mitarbeiter in Krisengebieten stärker zu schützen: «Medienunternehmen sollten freie Mitarbeiter unter einen Vertrag nehmen, der sie finanziell absichert und den Druck von ihnen nimmt, jeden Tag einen Sensationsbericht zu liefern», so der Verbandschef. Das könne etwa ein Jahresvertrag mit einem festen Honorar sein.
Die beiden freien Mitarbeiter der Deutschen Welle, die 30-jährige Kölner Journalistin Karen F. und der 38-jährige Berliner Techniker Christian S., waren in der Nacht zum Samstag auf dem Weg von der nordafghanischen Provinz Baghlan in die Nachbarprovinz Bamian erschossen worden. Die radikalislamische Taliban bestritt eine Beteiligung noch am Samstag. Mittlerweile stehen erste Personen unter Verdacht, bis zum Sonntagabend wurden jedoch keine Festnahmen bekannt.
Journalismus hat GrenzenDer Tod der beiden zeige «das ungeheure Gefahrenpotenzial», dem Journalisten in Krisengebieten ausgesetzt seien, sagte Konken. Er appellierte an die Auftraggeber freier Mitarbeiter, «den Kollegen klar zu machen, wo die Grenzen sind, bis zu denen man gehen kann».
Ein Teil der Verantwortung sieht Konken jedoch auch bei den Mitarbeitern selbst: «Journalismus muss seine Grenzen finden, wo man sich selbst in Lebensgefahr begibt.»