netzeitung.deVideo entzweit polnische Journalisten

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Die Gazeta Wyborcza (rechts) (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Die Gazeta Wyborcza (rechts)
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein verdeckt von einer Kamera in der Staatskanzlei aufgenommenes Gespräch sorgt für Streit unter polnischen Journalisten. Die teils prominenten Kritiker fühlen sich nicht mehr von ihrem Verband vertreten.

Prominente polnische Journalisten und Vertreter aller Medien haben sich in einer am Montag veröffentlichten Erklärung vom Berufsverband polnischer Journalisten (SDP) distanziert. Anlass ist eine Stellungnahme des Verbands in der so genannten Videoaffäre. Zwei Journalisten des Fernsehsenders TVN hatten nach dem Bruch der Regierungskoalition in Polen mit versteckter Kamera ein Gespräch des Kanzleichefs von Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski mit einer Abgeordneten der radikalen Bauernpartei Samoobrona aufgezeichnet.

Darin bot der Kanzleichef der Abgeordneten des bisherigen Koalitionspartners ein Posten als Staatssekretärin an, wenn sie ihrer Partei den Rücken kehre und die Regierung unterstütze.

Der Verband SDP hatte das Video missbilligt und als «zu Propagandazwecken vorbereitet» bezeichnet. Der Verband warf den Journalisten vor, gegen die Grundlagen des gesellschaftlichen Auftrags von Journalisten verstoßen zu haben.

In ihrer in der «Gazeta Wyborcza» veröffentlichten Erklärung warfen die Journalisten nun ihrerseits dem Verband vor, diejenigen zu verurteilen, deren Interessen er schützen solle. Der SDP habe das ganze vergangene Jahr hindurch zu den Angriffen der Regierung gegen einzelne Journalisten und Medien geschwiegen, so die Kritik. «Wir meinen, dass der Vorstand des SDP sich die Legitimation genommen hat, uns zu vertreten», hieß es in dem Schreiben der Medienvertreter. In einem schwierigen Moment massiver Angriffe gegen die Medien habe sich der Verband «gegen die unabhängigen Journalisten auf die Seite der Regierenden gestellt». (nz)