netzeitung.de«Wut»-Verschiebung für Stoiber falsches Signal

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Lupe «Wut»-Verschiebung für Stoiber falsches Signal

Die Kritik wegen der Verschiebung des Films «Wut» ins Spätabendprogramm reißt nicht ab. Führende Unionspolitiker werteten die Einwände der ARD als unverständlich.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat mit scharfen Worten auf die Verschiebung des deutsch-türkischen Jugend-Dramas «Wut» ins Spätprogramm der ARD reagiert. Die «Verbannung des auch von TV-Kritikern hochgelobten» Filmes sei ein «fatales Signal», sagte Stoiber der «Bild». «Die Wahrheit hat Anspruch darauf, ohne Wenn und Aber gezeigt zu werden.»

Der ARD-Vorsitzende Thomas Gruber verteidigte dagegen die Verschiebung. Der Film zeige Gewalt und Selbstjustiz als Mittel der Konfliktlösung, begründete Gruber die Entscheidung in dem Blatt.

Der für Mittwoch angekündigte Film war mit Hinweis auf den Jugendschutz kurzfristig auf den morgigen Freitag, 22 Uhr, verschoben worden.

«Wir wollen den Film nicht verstecken», betonte Gruber, der auch Intendant des Bayerischen Rundfunks ist. Der Film lasse den Zuschauer jedoch mit seinen Sorgen allein. Er fühle sich deshalb an das Votum der Jugendschutz-Beauftragten gebunden, erklärte Gruber. Deren Empfehlung, den Film nicht wie geplant zur Hauptsendezeit um 20:15 Uhr zu zeigen, sei jedoch bereits Ende August erfolgt. «Warum danach so lange nichts passiert ist, das müssen Sie den WDR fragen.» Er sei als produzierender Sender für die Ausstrahlung verantwortlich.

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister Armin Laschet hingegen bezeichnete die Aufregung um das Drama als unverständlich. «Der Film ist nicht ausländerfeindlich», sagte der CDU-Politiker im WDR-Fernsehen. «Er beschreibt etwas, was es gibt in diesem Land, nämlich Gewalt an den Schulen.» Auch in vielen anderen Filmen kämen Ausländer als Kriminelle vor.

Regisseur bedauert
Auch Regisseur Züli Aladag bedauerte die Verschiebung. Seiner Meinung nach hätten Jugendliche die Darstellung der Gewalt ausgehalten. Hauptdarsteller Oktay Özdemir sagte: «Wir wollten niemanden provozieren. Wir wollten zeigen, was mal gezeigt werden musste.»

Das WDR-Jugend-Drama schildert die Angriffe einer türkischen Jugendgang auf einen Jungen aus gutbürgerlichen Verhältnissen. Die Familie des Jungen gerät dabei in eine Eskalation aus Gewalt und Gegengewalt. Der Film soll nun am Freitag um 22 Uhr in der ARD gezeigt werden. Die bereits am Mittwochabend aufgezeichnete Diskussionsrunde «Tatort Schulweg - Hilflos gegen Jugendgewalt?» mit den Moderatorinnen Sandra Maischberger und Asli Sevindim ist für 23:30 Uhr geplant. (nz)