netzeitung.dePleitgen erbost über ARD-Haltung zu «Wut»

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Fritz Pleitgen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fritz Pleitgen
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Die verschobene Ausstrahlung des ARD-Films «Wut» über jugendliche Gewalt stößt auf heftige Kritik innerhalb des Senderverbundes. WDR-Intendant Pleitgen reagierte «bekümmert und zornig».

Dass der schon vor seiner Ausstrahlung umstrittene ARD-Film «Wut» zu einem späteren Sendetermin als vorgesehen ausgestrahlt werden soll, stößt beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) auf Unverständnis. «Ich bin über die Entscheidung mehr als bekümmert, ich bin zornig», sagte WDR-Intendant Fritz Pleitgen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Die Intendanten der ARD hatten in einer Ad-hoc-Konferenz am Freitag entschieden, den Film im Ersten nicht am Mittwoch um 20:15 Uhr, sondern am kommenden Freitag um 22 Uhr zu zeigen. Die begleitende Diskussionssendung «Tatort Schulweg - Hilflos gegen Jugendgewalt?» mit Politikern, Experten und Betroffenen geht dann bis über Mitternacht hinaus.
Gewaltszenen und Ausländerfeindlichkeit
Gegen den Film waren Vorwürfe wegen Gewaltszenen und möglicher Ausländerfeindlichkeit laut geworden. In der WDR-Produktion von Regisseur Züli Aladag drangsaliert der Anführer einer türkischen Jugendgang den Schüler Felix (Robert Höller), der aus einer liberalen, gut gestellten Familie kommt. Dabei bleibt es nicht. Can (Oktay Özdemir) terrorisiert immer mehr die gesamte Familie inklusive der Eltern Simon und Christa (August Zirner/Corinna Harfouch). Die Situation eskaliert zunehmend.

Über den Film gab es auch innerhalb der ARD Diskussionen. In mehreren Anstalten soll es Kritik von Jugendschützern an der geplanten Sendezeit gegeben haben. «Man fürchtet offensichtlich kritische Schlagzeilen», sagte Pleitgen der FAZ. «Diese Sorge hätten wir uns besser bei anderen Vorgängen machen sollen.»

Chance vertan
Pleitgen vermutet, dass die Sorge bestanden habe, dass bei einer früheren Ausstrahlung des Films Jugendschutzbestimmungen beschädigt werden können. «Aber dies ist ein Film für junge Menschen, wie es der Hauptdarsteller und der Regisseur ausdrücklich betonen», stellte der WDR-Intendant klar. Der Film zeige eine Realität, wie sie vielen Kindern und Jugendlichen begegne, aber die Erwachsene nicht wahrhaben wollten.

«Wir haben als öffentlich-rechtlicher Rundfunk auf die Wirklichkeit aufmerksam zu machen», betonte Pleitgen. Der Film solle eine «engagierte, kontroverse, weiterführende» Diskussion auslösen. «Um Mitternacht eine gesellschaftlich wichtige Diskussion zu führen, ist natürlich eine vertane Chance.» (nz)