«GEZ gefährdet Uni-Ausbildung»
«Sollten Sie die festgesetzte Gebührenschuld nicht innerhalb von zwei Wochen bezahlt haben, werden wir gegen Sie die Vollstreckung einleiten» am Lehrstuhl für Journalistik II der Universität Leipzig könnte bald der Gerichtsvollzieher vorbeischauen.
Hintergrund sind die GEZ-Gebühren, die seit rund einem Jahr vom Lehrstuhl aus dem laufenden Budget gezahlt werden müssen. In der jüngsten Rechnung droht die GEZ mit Vollstreckung auch aufgrund der «unregelmäßigen Gebührenzahlungen in den letzten Zahlungszeiträumen».
Allein für die Uni Leipzig hatte die Rechnung eine Höhe von immerhin 250.000 Euro die Gebühren sollten rückwirkend für die vergangenen Jahre beglichen werden. Anders als Schulen sind die Hochschulen laut Rundfunkstaatsvertrag nicht von den Fernsehgebühren ausgenommen, obwohl sie ebenfalls einen öffentlichen Bildungsauftrag haben.
«Pro Jahr müssen wir mehr als 400 Euro GEZ-Gebühren zahlen und dass aus unserem laufenden Budget», kritisiert Universitäts-Professor Marcel Machill das Vorgehen seines Vorgesetzten.
Dabei seien die laufenden Kosten schon jetzt kaum zu stemmen: «Von unseren 3000 Euro Budget müssen wir alles zahlen: Von Dienstreisen über den defekten Bürostuhl bis hin zum Laptop-Ersatz für ein defektes und ausrangiertes Gerät», sagt Machill im Gespräch mit der Netzeitung.
Auf die beiden Fernseher in seinem Institut kann der Professor kaum verzichten: «Wir bilden Journalisten aus, da muss schon ab und an die 'Tagesschau' geschaut werden.» Die klamme Finanzlage lässt Machill aber keine andere Wahl - in einem Brief forderte er Rektor Häuser auf, ein Fernseh-Gerät entfernen zu lassen.
Der eigentliche Schuldige sitzt für ihn jedoch nicht in Leipzig, sondern in der Kölner Zentrale der GEZ: «Als Journalistik-Professor bin ich natürlich ein Befürworter des öffentlich-rechtlichen Systems», betont Machill. «Aber was die GEZ da macht, ist absurd. Sie gefährdet die universitäre Ausbildung in Deutschland.»

