13.09.2006
Herausgeber: netzeitung.de
SPD kritisiert Imam-Auftritt bei «Christiansen»
Der Auftritt des Imams von Sachsen in der ARD-Talkshow «Sabine Christiansen» ist auf scharfe Kritik gestoßen. SPD-Islamexpertin Akgün sieht den Senderverbund in der Pflicht.
Die islampolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Lale Akgün, hat die ARD aufgefordert, künftig Auftritte des Imams von Sachsen, Hassan Dabbagh, im Programm des Senderverbunds zu unterbinden. Dabbagh stehe für «ein Bild des Islam, das die Menschen abschreckt», sagte Akgün der Netzeitung mit Blick auf Äußerungen des Imams in der ARD-Talkshow «Sabine Christiansen».
Wenn man solchen Leuten «zur besten Sendezeit im Fernsehen ein Forum» gebe, werde das Gegenteil dessen erreicht, was man erreichen sollte. «Ich möchte Repräsentanten im Deutschen Fernsehen sehen, die für die Vereinbarkeit von Islam und Demokratie stehen», forderte die SPD-Politikerin.
Kritik auch von Rundfunkräten Ähnlich äußerte sich die Islam-Expertin der Union im Bundestag, Kristina Köhler (CDU). In «Bild» nannte sie es einen «Skandal, dass die ARD einen Islamisten vor einem Millionenpublikum ein Forum bietet». Der Europa-Abgeordnete Cem Özdemir (Grüne) sagte dem Blatt: «Herr Dabbagh ist nicht dazu geeignet, das friedliche Zusammenleben von Christen, Juden und Muslimen in Deutschland zu fördern.»
Helmuth Frahm (SPD), stellvertretender Vorsitzender des NDR-Rundfunkrates, kündigte an: «Wir werden uns im Programmausschuss diese Sendung sehr kritisch ansehen.» NDR-Rundfunkrätin Antje Blumentahl (CDU) betonte, es sei «unerträglich, dass Frau Christiansen solche Leute einlädt und ihnen ein Forum gibt».
Islam und TerrorismusDabbagh hatte sich in der Sendung am Sonntagabend zwar ausdrücklich gegen Gewalt ausgesprochen, die Kofferbomber von Dortmund und Koblenz zugleich aber verteidigt. Wer getötete muslimische Kinder im Fernsehen sehe und höre, dass der Islam «immer mit Terrorismus in Verbindung gebracht» werde, begehe «solche Taten».
Akgün sagte, sie sei daher «sehr verwundert», dass der «Exot» Dabbagh schon mehrmals in die «Christiansen»-Sendung eingeladen worden sei, zumal es kompetentere Ansprechpartner für Islamthemen gebe. Akgün nannte in diesem Zusammenhang die Türkisch-Islamische Union (Ditib). Deren Sprecher Bekir Alboga war ihren Angaben zufolge zur vorletzten «Christiansen»-Sendung zunächst eingeladen, dann aber wieder ausgeladen worden, weil seine «Positionen zu gemäßigt» seien.
Die SPD-Islamexpertin ermahnte die öffentlich-rechtlichen Sender vor diesem Hintergrund, ihrer Pflicht nachzukommen, «genau zu prüfen, wen sie einladen». Es müsse darum gehen, Vorurteile gegenüber Muslimen abzubauen. Dies erreiche man nur, indem man Leuten ein Forum gebe, «die Wissen über den Islam haben, eine theologische Ausbildung nachweisen können und für Demokratie und friedliches Zusammenleben stehen».