31.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Ulrich Wickert (r) und sein Nachfolger Tom Buhrow
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wickert wollte erst ganz zuletzt über sich selbst sprechen. Doch andere kamen ihm in seiner letzten «Tagesthemen»-Moderation zuvor.
«Neue Kerle braucht das Land», das waren die ersten Worte von «Tagesthemen»-Moderator Ulrich Wickert zu Beginn seiner letzten Sendung. Ab Freitag ersetzt ihn der frühere Washington-Korrespondent Tom Buhrow, der im Wechsel mit Moderatorin Anne Will durch das ARD-Nachrichtenmagazin führen soll.
Wickerts Anmoderation eines Beitrags über Jungs und deren Entwicklung ließ sich durchaus als ersten Hinweis auf sein Ausscheiden aus dem Team interpretieren. Dabei wollte er seinen Abgang aus dem Moderatorenstand in der Sendung so spät wie möglich thematisiert sehen.
Steinmeier sprengt fast den AblaufDoch Außenminister Steinmeier kam ihm zuvor, schon in der sechsten Sendungsminute. Nach einem Beitrag über den Iran leitete Wickert zu einer Live-Schaltung nach Berlin über. In den gewohnt kurzen Sätzen, oft kommt nach acht Worten der Punkt. Steinmeier schafft es nicht so kompakt: «Ich hätte ihnen an diesem besonderen Tag das Ungemach der internationalen Politik gern erspart», lässt der Außenminister durchblicken, dass er über die Bedeutung dieses Interviews Bescheid weiß. Zum Schluss legt er richtig los und bedauert, kein Abschiedsgeschenk überbringen zu können: «Wenn ich noch eines sagen darf, ich hätten den Konflikt gern gelöst.» Dann dankt Steinmeier für «15 Jahre Tagesthemen» und «15 Jahre herausragende journalistische Arbeit».
«Vielen Dank, Dankeschön», drängt Wickert zum nächsten Thema, der Ablauf der Sendung darf nicht außer Plan geraten. Es geht um die Hisbollah, die Geld an Geschädigte des Nahost-Konflikts verteilt. Der «Tagesthemen»-Kommentar des Münchener ARD-Journalisten Stephan Bergmann beginnt um 22:31 Uhr mit den Worten «Es ist fünf vor zwölf». Gemeint ist die Lage in Nah- und Mittelost.
Buhrow mit GrubenlampeDann folgen Arbeitslosenzahlen, Ifa-Eröffnung, Börsenbericht, die Rückkehr der gestohlenen Munch-Bilder, und der Eingangs angekündigte Beitrag über die «neuen Kerle».
Letztes Thema ist dann bereits eine Überleitung Wickerts zu seinem Nachfolger: Burow spricht in einem Beitrag zur «Ruhr-Triennale» über den «Klang der neuen Zeit» in den Aufführungssälen der umgewidmeten Industrieanlagen. Im Bild nickt Burow seinen Interviewpartnern bestätigend zu, Burow durchsteigt ehemalige Kohleflöze mit Helm und Grubenlampe auf dem Kopf es geht um die Aufführung von «Orpheus im Schacht». Zum Schluss spielt eine Band «The Road to nowhere».
Dann kommt es: Nach 31 Minuten: Wickert «möchte sich von diesem Platz verabschieden» und dankt herzlich für 15 Jahre Vertrauen. «Ich werde Sie und Anne Will vermissen.» Ein letztes Mal werden wir in die «gerrruuuhsame Nacht» entlassen. Dann ertönt Applaus, die Bildtotale zeigt Wickert, an seinem Moderatorenplatz umringt vom Redaktionsteam. Es gibt Blumen. Dann schallt die «Tagesthemen»-Fanfare. Vorhang. Das Wetter. (nz)