netzeitung.deMr. «Tagesthemen» will's nicht «geruuuhsam»

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Ulrich Wickert (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ulrich Wickert
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Ulrich Wickert moderiert am Donnerstag zum letzten Mal die «Tagesthemen». Angela Merkel bezeichnete ihn vor fünf Jahren als «nicht tragbar», doch viele Zuschauer lieben ihn.

Von Inge Treichel

Der Abschied von den «Tagesthemen» fällt Ulrich Wickert nach eigenen Worten nicht schwer. Er gehe mit großer Zufriedenheit aus dem Job, sagt der 63-jährige Journalist. Am Donnerstagabend wird er nach 15 Jahren seinen Zuschauern zum letzten Mal aus dem Hamburger Nachrichtenstudio «einen angenehmen Abend und eine geruuuhsame Nacht» wünschen.

Ein geruhsames Rentnerdasein strebt Wickert nicht an. Am 2. Dezember ist zwar sein 64. Geburtstag, aber er bleibt viel beschäftigt. Er wird eine Literatursendung «Wickerts Bücher» moderieren, die ein Mal im Monat in der ARD laufen soll. Der Wirbel um das Günter-Grass-Interview in der ersten Ausgabe hat sie auf einen Schlag bekannt gemacht. Zudem bot er an, für die ARD auf Reportagereisen zu gehen und Dokumentationen zu drehen.

Im April 2004 hatte er erstmals angekündigt, den Vertrag für die «Tagesthemen» nicht zu verlängern. Zu diesem Zeitpunkt war ihm erstmals auch als Krimi-Autor («Der Richter aus Paris») ein Bestseller gelungen. Das Schreiben mache ihm großen Spaß, sagt Wickert. «Ich habe früh angefangen zu schreiben, weil das bei uns zu Hause einfach gemacht wurde», erklärte er in der Talk-Sendung «Beckmann». Er habe sich sehr an seinem Vater, dem früheren Diplomaten und Autor Erwin Wickert orientiert. Auch Ulrich Wickert wollte, als er anfing, Jura zu studieren, Diplomat werden.

Vorbild John F. Kennedy
Während seines einjährigen Studiums in den USA habe er seinen «Geist geöffnet». Der Leitspruch von US-Präsident John F. Kennedy - «Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, frag, was du für dein Land tun kannst» - habe ihn für sein Leben geprägt, sagt Wickert.

Er sei ins Studentenparlament gegangen. «Meine humanistische Erziehung hat dann aber dazu geführt, dass ich während des Studiums kein Kommunist wurde.» Von 1969 an arbeitete er beim zeitkritischen Magazin «Monito. Zwischen 1977 und 1991 war er für die ARD in den USA und in Paris, jeweils zunächst als Korrespondent und danach als Studioleiter. Am 1. Juli 1991 trat er die Nachfolge von Hanns Joachim Friedrichs bei den «Tagesthemen» an und moderierte diese im Wechsel mit Sabine Christiansen, später Gabi Bauer und Anne Will.

Die Popularität als «Tagesthemen»-Moderator habe ihn «erst einmal erschlagen», sagte er im aktuellen «Spiegel»-Interview. Seine Art, schwierige Sachverhalte leicht verständlich darzustellen und mit Ironie und Humor zu arbeiten, kommt gut an - trotz gelegentlicher Schlagzeilen wie «Ulrich Wickert stottert sich durch die Tagesthemen».

Große Resonanz bekam er auf seine letzten Worte vor dem Wetter. «Am liebsten sind mir Bonmots, die ein Lachen hervorrufen, das einem dann fast im Halse stecken bleibt, weil dabei schlagartig Abgründiges zu Tage gefördert wird», erklärte er.

Wirbel um Kritik an Bush
Wie er auf die Formel «einen angenehmen Abend und eine geruhsame Nacht» kam, schilderte er in einem Interview so: «Weil ein Zuschauer einen Brief schrieb, in dem er sich darüber beklagte, dass ihm niemand eine gute Nacht wünsche.» An manchen Abenden habe er dann aus Jux eine andere Formulierung benutzt. «Zwei Tage später kamen unzählige Briefe von Zuschauern, die sich beklagen.»

Viele negative Reaktionen erntete Wickert nach dem 11. September 2001, als er im Zusammenhang mit der Kritik der indischen Autorin Arundhati Roy an George W. Bush, dem US-Präsidenten die gleichen Denkstrukturen wie einem Mörder und Terroristen unterstellt hatte. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte damals, damit sei Wickert «absolut nicht mehr tragbar als Nachrichtenmoderator im öffentlich-rechtlichen Fernsehen».

Wickert entschuldigte sich für «missverständliche und misslungene» Äußerungen. Im aktuellen «Spiegel»-Interview sagt er, Merkel habe sich damit dafür gerächt, dass er ihr in einem Interview die Frage gestellt habe, warum die Schill-Partei in Hamburg 20 Prozent bekommen habe. Die ARD habe sich sofort hinter ihn gestellt.

Liebhaber der französischen Kultur
Seit seiner letzte Vertragsverlängerung vor drei Jahren forderten einige Rundfunkräte immer wieder, einen Nachfolger für Wickert zu suchen. NDR-Intendant Jobst Plog hielt dagegen: Wickert gehöre «zu den glaubwürdigsten und beliebtesten Moderatoren im deutschen Fernsehen».

Über Privates hat er öffentlich nicht viel bekannt gegeben. Er ist ein Freund der französischen Kultur, joggt drei Mal in der Woche, liebt die karibische Insel Martinique, die Musik von Bill Haley, Janis Joplin und den Beatles. Er sagte, er freue sich darauf, nach seinem Abschied mehr Zeit für sein Privatleben und seine Frau Julia Jäkel zu haben.(AP)