Medienaufsicht kritisiert Astra-Verschlüsselung
03. Aug 2006 11:55, ergänzt 16:52
 |  RTL-Zentrale in Köln | Foto: dpa |
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RTL und MTV wollen ihre Programme über Astra-Satellit künftig verschlüsselt ausstrahlen. Die Landesmedienanstalten drohen mit Zwang zum kostenlosen Programm.
Die Landesmedienanstalten haben sich kritisch zu den Plänen der MTV- und RTL-Gruppe geäußert, ihre Programme von 2007 an für den Astra-Satellitenempfang zu verschlüsseln. Betroffen sind die Sender RTL, Vox, RTL II, n-tv, MTV und Viva. Die Verschlüsselung eines bislang frei empfangbaren Programms bedeute einen Paradigmenwechsel, der offen diskutiert werden müsse, teilten die Landesmedienanstalten am Mittwochabend mit.
Es sei nahe liegend, dass die Sender wegen der Ausschöpfung des Werbemarktes und der digitalen Speichermöglichkeiten nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten suchen, so die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM). Die Medienwächter stoßen sich aber daran, dass die betroffenen Zuschauer künftig neben dem Satelliten-Empfänger auch eine Zugangskarte benötigen. Es sei wichtig, dass die Astra-Plattform weiterhin technisch und unternehmerisch allen Sendern offen stehe, hieß es. Das sei aber nur möglich, wenn auch bei den Empfangsgeräten ein offener Standard herrsche. Geplant ist, dass Zuschauer, die über den Astra-Satelliten fernsehen, für die bislang kostenfrei empfangenen Programme der beiden Sendergruppen künftig bis zu 3,50 Euro monatlich bezahlen.
RTL: Gebühr geht an Satellitenbetreiber
Ein RTL-Sprecher sagte am Donnerstag, dass nicht der Sender, sondern der Satellitenbetreiber SES Astra die Gebühr erhebe. Die Monatspauschale sei geplant «für den technischen Zugang zur neuen digitalen Plattform, wie sie im digitalen Kabel mit circa 14 Euro oder beim Anschluss eines Internetzugangs längst Realität sind.»Die Pauschale sei unabhängig von der Zahl der angebotenen Sender und habe «keinerlei Bezug zu einzelnen Programmen, also auch nicht zu RTL», betonte der Sprecher. Die Sender erhielten Geld von den Netzbetreibern «für das digitale Sendesignal sowie für Spots zur Bewerbung der neuen Plattform», denn «ohne die Sender hätten die Kabelnetz- oder Satellitenbetreiber den Zuschauern wenig anzubieten».
Kostenloses Zwangsprogramm
Falls die Sender auch noch für den digitalen terrestrischem Empfang Gebühren einführen wollen, dränge sich die Überlegung auf, «für bestimmte reichweitenstarke Programme eine Must-free-offer-Regelung einzuführen», sagte der DLM-Vorsitzende Victor Henle. Andernfalls werde den EU-Überlegungen zu einer Frequenzversteigerung Vorschub geleistet. Bislang werden die Frequenzen kostenlos an die Sender vergeben. (nz)