01.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Journalisten recherchieren weniger als früher
Medienschaffende verwenden heute weniger Zeit für das Zusammentragen von Fakten als noch vor zwölf Jahren, ergab eine Studie. Der Zeitaufwand für technische und organisatorische Tätigkeiten ist dagegen gestiegen.
Journalisten verwenden heute weniger Zeit auf Recherchen als noch vor zwölf Jahren. Dies ist ein Ergebnis der Studie «Journalismus in Deutschland», deren wichtigste Befunde die Zeitschrift «Media Perspektiven» am Dienstag veröffentlicht hat. Die Studie, die der Hamburger Publizistikprofessor Siegfried Weischenberg gemeinsam mit Armin Scholl und Maja Malik erhoben hat, vergleicht die Situation der Journalisten 2005 mit der von 1993.
Hatten Journalisten 1993 im Schnitt noch 140 Minuten am Tag recherchiert, so waren es bei der Befragung 2005 nur noch 117 Minuten am Tag. Dennoch sei Recherchieren nach dem Verfassen und Bearbeiten eigener Texte die wichtigste Tätigkeit im Journalismus, stellten die Wissenschaftler fest. Dafür sei der Zeitaufwand für technische und organisatorische Tätigkeiten im Vergleich zu 1993 deutlich gestiegen. Für diese wendeten Journalisten im Schnitt 78 Minuten pro Arbeitstag auf.
Fast 90 Prozent der befragten Journalisten gaben an, sie wollten ihr Publikum vor allem «möglichst neutral und präzise informieren». Mehr als 50 Prozent sagten, sie wollten «Kritik an Missständen üben». Fast 30 Prozent halten es für wichtig, sich einzusetzen «für die Benachteiligten in der Bevölkerung».
Mehr FrauenLaut Studie arbeiten in Deutschland zurzeit rund 48.000 hauptberufliche Journalisten. Der größte Teil von ihnen (35,4 Prozent) ist bei Zeitungen beschäftigt, 19,5 Prozent arbeiten bei Zeitschriften, 16,5 Prozent beim Hörfunk, 14,9 Prozent beim Fernsehen. Knapp fünf Prozent der Journalisten arbeiten bei Onlinemedien. Der Rest verteilt sich auf Anzeigenblätter, Nachrichtenagenturen und Mediendienste.
Der Anteil der Frauen im Journalismus, der 1993 bei einem knappen Drittel lag, stieg leicht auf 37 Prozent. Für die Studie hatten die Wissenschaftler zwischen Februar und April 2005 gut 1.500 Journalisten aller Mediensparten befragt. (nz)