Ermittlungen gegen 'taz' wegen Verunglimpfung
21.07.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Ende Juni veröffentlichte Satire «Die neue polnische Kartoffel» hatte in Polen heftige Reaktionen ausgelöst. Staatspräsident Kaczynski sagte am Freitag im polnischen Rundfunk, mit diesem Artikel seien «alle Grenzen überschritten» worden. Er kenne keinen vergleichbaren Angriff auf Politiker und ihre Familien. In der Satire war die patriotische Erziehung Kaczynskis und die Tatsache, dass sein unverheirateter Zwillingsbruder noch bei der Mutter lebt, hervorgehoben worden.
Die «taz» forderte am Freitag im Gegenzug mehr Humor und Gelassenheit von der polnischen Regierung und sieht nach den Worten ihrer Chefredakteurin Bascha Mika weiter keinen Anlass, sich zu entschuldigen. «Die polnische Regierung will die Absurdität offenbar weitertreiben», sagte Mika. «Wir machen Satire mit vollem Bewusstsein», betonte sie. Sie finde den Text zwar nur «stellenweise gelungen», und möglicherweise überschreite er die Grenze des guten Geschmacks. Aber Sinn einer Satire sei es schließlich, über diese zu diskutieren.
Die Zeitung werde den Vorgang von Experten prüfen lassen und die Entwicklung abwarten. «Meiner Kenntnis nach braucht es noch etwas mehr, einen internationalen Haftbefehl zu erlangen», sagte Mika. Sie kritisierte zugleich, dass der Text in den ersten Veröffentlichungen in Polen nicht als Satire gekennzeichnet gewesen sei. (nz)

