netzeitung.deErmittlungen gegen 'taz' wegen Verunglimpfung

 Herausgeber: netzeitung.de

Lech Kaczynski will keine "Kartoffel" sein (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lech Kaczynski will keine "Kartoffel" sein
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die polnische Staatsanwaltschaft untersucht, ob der satirische Artikel der Berliner «tageszeitung» gegen Präsident Kaczynski eine Verleumdung darstellt. Die «taz» forderte im Gegenzug mehr Gelassenheit.

Die Warschauer Staatsanwaltschaft hat nach der Veröffentlichung einer «taz»-Satire über den polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski ein Ermittlungsverfahren gegen die Berliner «Tageszeitung» eröffnet. Grundlage für das Verfahren sei Artikel 135 des polnischen Strafrechts über die öffentliche «Verunglimpfung» des Staatsoberhauptes, sagte eine Sprecherin der Anklagebehörde. Wie die Staatsanwaltschaft nun weiter vorgehen will, ließ sie offen.

Nach polnischem Gesetz kann eine Beleidigung des Präsidenten mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden.

Die Ende Juni veröffentlichte Satire «Die neue polnische Kartoffel» hatte in Polen heftige Reaktionen ausgelöst. Staatspräsident Kaczynski sagte am Freitag im polnischen Rundfunk, mit diesem Artikel seien «alle Grenzen überschritten» worden. Er kenne keinen vergleichbaren Angriff auf Politiker und ihre Familien. In der Satire war die patriotische Erziehung Kaczynskis und die Tatsache, dass sein unverheirateter Zwillingsbruder noch bei der Mutter lebt, hervorgehoben worden.

Die «taz» forderte am Freitag im Gegenzug mehr Humor und Gelassenheit von der polnischen Regierung und sieht nach den Worten ihrer Chefredakteurin Bascha Mika weiter keinen Anlass, sich zu entschuldigen. «Die polnische Regierung will die Absurdität offenbar weitertreiben», sagte Mika. «Wir machen Satire mit vollem Bewusstsein», betonte sie. Sie finde den Text zwar nur «stellenweise gelungen», und möglicherweise überschreite er die Grenze des guten Geschmacks. Aber Sinn einer Satire sei es schließlich, über diese zu diskutieren.

Die Zeitung werde den Vorgang von Experten prüfen lassen und die Entwicklung abwarten. «Meiner Kenntnis nach braucht es noch etwas mehr, einen internationalen Haftbefehl zu erlangen», sagte Mika. Sie kritisierte zugleich, dass der Text in den ersten Veröffentlichungen in Polen nicht als Satire gekennzeichnet gewesen sei. (nz)