Schönbohm will «Radio Schwarz-Rot-Gold»
Viele Politiker haben sich in den Urlaub verabschiedet, aber Jörg Schönbohm sitzt noch in seinem Brandenburger Innenministerium und brütet ausgefallene Ideen aus. In der auch als «Sommerloch» bekannten nachrichtenarmen Zeit während der Ferien schrieb der CDU-Politiker einen Brief an den Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) und schlug ein öffentlich-rechtliches «Radio Schwarz-Rot-Gold» vor.
Heftige Kritik äußerte dagegen die Medienexpertin der Linkspartei im Brandenburger Landtag, Kerstin Meier. Unter Verweis auf den Rechtsextremismus in Brandenburg nannte sie es ein verheerendes Zeichen, aus einem Radiosender mit dem Bekenntnis zu Weltoffenheit und Toleranz im Namen einen Nationalsender zu machen. Ihre Linkspartei-Kollegin im Bundestag Petra Pau sprach vom «offensichtlichen Hitzeopfer» Schönbohm und gab diesem den Tipp: «Feuchtes Tuch auf den Kopf, schön viel Wasser trinken und am besten gar nichts tun!»
«Radio-Multikulti»-Chefin Ilona Marenbach verwies darauf, dass Immigranten über die fremdsprachigen Abendsendungen auch an das deutsche Programm herangeführt werden sollten. «Unser Programm verfolgt ja den Auftrag, zu Integration und zum gegenseitigen Verständnis beizutragen», sagte sie. «Eine Umbenennung steht nicht zur Debatte. Das wäre mit hohen Kosten für Werbung verbunden, die ich lieber ins Programm stecke.»
Auch die stellvertretende RBB-Intendantin und Hörfunkdirektorin Hannelore Steer wies Schönbohms Ansinnen zurück. «Radio Multikulti» sei eine erfolgreich eingeführte Radiomarke, deren publizistischer Wert sich nicht am Markennamen messen lasse, antwortete sie dem Innenminister per Brief.
Der ist angesichts der Reaktionen mittlerweile zurück gerudert. «Also 'Radio Schwarz-Rot-Gold', das ist kein ernsthafter Vorschlag», tat Schönbohm den überraschten Hörern des Senders in einem Interview kund. Auch seine Sprecherin Dorotheè Stacke gab sich kleinlaut, der Brief sei nur ein Denkanstoß gewesen.
Und bei solchen muss der 68-Jährige nicht mehr viele Rücksichten nehmen - kommendes Jahr will er sich von der Spitze der Brandenburger CDU zurückziehen. (AP)

