netzeitung.deSchönbohm will «Radio Schwarz-Rot-Gold»

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Jörg Schönbohm (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Jörg Schönbohm
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Der brandenburgische Innenminister Schönbohm hat sich für mehr Patriotismus im Radio ausgesprochen. Dafür soll das öffentlich-rechtliche «Radio Multikulti» in «Radio Schwarz-Rot-Gold» umgetauft werden.

Von Sven Kästner

Viele Politiker haben sich in den Urlaub verabschiedet, aber Jörg Schönbohm sitzt noch in seinem Brandenburger Innenministerium und brütet ausgefallene Ideen aus. In der auch als «Sommerloch» bekannten nachrichtenarmen Zeit während der Ferien schrieb der CDU-Politiker einen Brief an den Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) und schlug ein öffentlich-rechtliches «Radio Schwarz-Rot-Gold» vor.

Als Ziel seiner patriotischen Idee erkor sich der frühere Bundeswehrgeneral die RBB-Welle «Radio Multikulti» aus. Das in Deutschland einzigartige Radio sendet täglich ein Magazinprogramm mit Popmusik aus aller Welt und deutschsprachigen Beiträgen, in denen ein Schwerpunkt auf integrations- und ausländerpolitische Themen gelegt wird. Von 17 bis 22 Uhr gibt es in Deutschland produzierte Informationen in 17 verschiedenen Sprachen für in Berlin lebende Ausländer.

Schönbohm aber, als Berliner Innensenator in den 90er Jahren einer der ersten öffentlichen Verfechter der «deutschen Leitkultur», versteht «Multikulturalismus» als «kulturelle Beliebigkeit», wie er RBB-Intendantin Dagmar Reim schrieb. Als neuen Namen für das vor 14 Jahren auf Sendung gegangene «Radio Multikulti» schlug der Politiker zunächst «Radio Integration» vor. «Oder man macht sich gleich die Begeisterung zu Nutze, die gerade junge Zuwanderer und Zuwandererkinder in den letzten Wochen für unsere Nationalfarben demonstrierten und tauft den Sender 'Radio Schwarz-Rot-Gold'», fuhr er fort.

Gelassen reagierte der Brandenburger Koalitionspartner SPD. Zu frisch sind bei vielen Genossen noch Erinnerungen an andere Schönbohm-Ideen - etwa zu Fußfesseln für Schulschwänzer. SPD-Generalsekretär Klaus Ness fiel zum Vorstoß des Innenministers das einstige sommerliche Verlangen eines Bundestags-Hinterbänklers ein, Mallorca zum 17. deutschen Bundesland zu machen. Schönbohm habe im Sommerloch mal wieder seine «abgrundtiefe Ablehnung des 68er Gedankengutes» zum Ausdruck gebracht, sagte er.

Heftige Kritik äußerte dagegen die Medienexpertin der Linkspartei im Brandenburger Landtag, Kerstin Meier. Unter Verweis auf den Rechtsextremismus in Brandenburg nannte sie es ein verheerendes Zeichen, aus einem Radiosender mit dem Bekenntnis zu Weltoffenheit und Toleranz im Namen einen Nationalsender zu machen. Ihre Linkspartei-Kollegin im Bundestag Petra Pau sprach vom «offensichtlichen Hitzeopfer» Schönbohm und gab diesem den Tipp: «Feuchtes Tuch auf den Kopf, schön viel Wasser trinken und am besten gar nichts tun!»

«Radio-Multikulti»-Chefin Ilona Marenbach verwies darauf, dass Immigranten über die fremdsprachigen Abendsendungen auch an das deutsche Programm herangeführt werden sollten. «Unser Programm verfolgt ja den Auftrag, zu Integration und zum gegenseitigen Verständnis beizutragen», sagte sie. «Eine Umbenennung steht nicht zur Debatte. Das wäre mit hohen Kosten für Werbung verbunden, die ich lieber ins Programm stecke.»

Auch die stellvertretende RBB-Intendantin und Hörfunkdirektorin Hannelore Steer wies Schönbohms Ansinnen zurück. «Radio Multikulti» sei eine erfolgreich eingeführte Radiomarke, deren publizistischer Wert sich nicht am Markennamen messen lasse, antwortete sie dem Innenminister per Brief.

Der ist angesichts der Reaktionen mittlerweile zurück gerudert. «Also 'Radio Schwarz-Rot-Gold', das ist kein ernsthafter Vorschlag», tat Schönbohm den überraschten Hörern des Senders in einem Interview kund. Auch seine Sprecherin Dorotheè Stacke gab sich kleinlaut, der Brief sei nur ein Denkanstoß gewesen.

Und bei solchen muss der 68-Jährige nicht mehr viele Rücksichten nehmen - kommendes Jahr will er sich von der Spitze der Brandenburger CDU zurückziehen. (AP)