netzeitung.deDeutsche Zeitung in Afrika feiert Geburtstag

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Stefan Fischer, Chefredakteur der 'Allgemeinen Zeitung' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stefan Fischer, Chefredakteur der 'Allgemeinen Zeitung'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Seit 90 Jahren erscheint in Namibia die «Allgemeine Zeitung» - auf Deutsch. Die älteste Tageszeitung der früheren deutschen Kolonie legt bei Auflage und Anzeigen kontinuierlich zu.

Von Ralf E. Krüger

Afrikas einzige deutschsprachige Zeitung feiert Geburtstag. Die «Allgemeine Zeitung» (AZ) in Namibias Hauptstadt Windhuk wird am 22. Juli 90 Jahre alt. Der Exot im afrikanischen Blätterwald ist nach eigenen Angaben eine von gerade mal acht deutschsprachigen Tageszeitungen außerhalb des deutschen Sprachraumes. Und die «AZ» beansprucht noch einen weiteren Superlativ: Es ist die älteste Tageszeitung überhaupt in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika. «Wir sind keine deutsche Zeitung in Namibia, sondern eine namibische Zeitung in deutscher Sprache», beschreibt Chefredakteur Stefan Fischer (36) sein Traditionsblatt.

Seit 2004 ist der aus Cottbus stammende Journalist Chefredakteur der «Allgemeinen Zeitung». Er sieht sie angesichts kontinuierlicher Steigerungen bei Auflage, Anzeigenaufkommen und Seitenzahl voll auf Kurs. Die Geburtstagsparty ist für ihn daher eher ein Probelauf. Fischer: «Nach neun Jahrzehnten blicken wir mit Optimismus dem 100-jährigen Bestehen entgegen und stehen jetzt zum 90. Geburtstag quasi vor der Generalprobe für dieses historische Ereignis.»

«Der Kriegsbote»
Sein Blatt kam erstmals am 22. Juli 1916 als «Der Kriegsbote» auf den Markt und informierte übers Kriegsgeschehen in Europa während des Ersten Weltkrieges. Nach der deutschen Niederlage und der Unterstellung der Kolonie unter südafrikanische Verwaltung erhielt das Blatt am 1. Juli 1919 den heutigen Namen «Allgemeine Zeitung». Sie berichtet mit rund einem Dutzend Journalisten in Windhuk sowie dem Außenbüro Swakopmund über Namibia sowie mit Hilfe mehrerer Nachrichtenagenturen über das aktuelle Weltgeschehen.

1991 wurde die mit dem deutschen «Südkurier» partnerschaftlich verbundene Zeitung vom Mediengiganten «Democratic Media Holdings» aufgekauft. Ihm gehört auch die afrikaanssprachige «Die Republikein» sowie die Druckerei, auf der alle drei nationalen Tageszeitungen (auch der englischsprachige «Namibian») gedruckt werden.

15.000 Exemplare
Die auch bei Touristen beliebte «Allgemeine Zeitung» erscheint mit einer Auflage von 5800 Exemplaren landesweit fünf Mal wöchentlich mit 12 bis 16 Seiten. Freitags - wenn die Auflage wegen der Wochenend-Ausgabe auf 6600 Exemplare steigt - sind es bis zu 32.

Die monatlich erscheinende Tourismus-Beilage lässt die Auflage schließlich bis auf 15.000 Exemplare steigen. Selbst ins Ausland gehen täglich etwa 100 Kopien. Das Blatt ist nicht nur bei Sammlern begehrt, sondern wichtiges Informationsmittel für die rund 20.000 deutschstämmigen Namibier.

Seit Juni 2000 ermöglicht es auch per Internet den elektronischen Brückenschlag zu Namibia-Fans außerhalb der Landesgrenzen. Die «AZ»-Homepage hat sich als ausgesprochen populär erwiesen - sie wird täglich bis zu 1600 Mal aufgerufen. Den zweimillionsten Zugriff hat sie lange hinter sich.

Obwohl Deutsch eine der anerkannten Landessprachen Namibias ist, bewegt sich die «AZ» als Minderheitenzeitung auf unternehmerisch anspruchsvollem Terrain: Ihre Leser - rund ein Prozent der 1,8 Millionen Namibier - sind meist mehrsprachig, gut gebildet und als finanzstarke Zielgruppe Favoriten der Werbewirtschaft. (dpa)