Magazin-Auflagen brechen ein
13. Jun 2006 07:10
 |  'Spiegel'-Titel | Foto: dpa |
|
In den großen Zeitschriftenverlagen geht die Angst um. Grund: Die Auflagen brechen ein, zum Teil dramatisch.
Die größten Zeitschriften in Deutschland haben am Kiosk signifikant Käufer verloren. In der IVW-Statistik für das erste Quartal 2006 müssen «Spiegel», «Stern» und «Focus» im jeweiligen Quartalsvergleich heftige Verluste hinnehmen.Was die Verlage aber noch mehr besorgt, ist das zweite Quartal. Dieses ist nach Informationen der Netzeitung für alle drei Magazine noch deutlich schlechter gelaufen - eine Entwicklung, die im langjährigen Trend keineswegs zu beobachten ist. Dramatische Rückgänge bei einzelnen Titel verunsichern die Blattmacher in Hamburg und München ebenfalls. Auch bewährte Rezepte greifen nicht - so das Fazit von Branchenkennern. So fiel Heft 8 der Lauterbach-Titel des «Stern» mit 975.000 verkauften Exemplaren unter die magische Millionengrenze.
Mehr als 57.000 Käufer verloren
Der «Spiegel» büßte demnach etwas mehr als 57.000 Käufer im Einzelverkauf ein, ein Minus von zwölf Prozent zum Vorjahresquartal. Damit verlor das Magazin bezogen auf die gesamte verkaufte Auflage fast 40.000 Käufer und landete knapp unter 1,1 Millionen.Der «Stern», Flaggschiff des Verlags Gruner + Jahr, verlor immerhin rund 16.000 Käufer im Einzelverkauf. Das ist ein Rückgang um vier Prozent. Für die verkaufte Gesamtauflage bedeutet das einen Verlust von 33.000 Käufern. Die Auflage liegt demnach aktuell nur noch leicht über einer Million.
«Spiegel» meistverkaufter Titel
Auch der «Focus» aus dem Hause Burda brach ein: Das Magazin setzte in den ersten drei Monaten dieses Jahres etwa 27.000 Hefte weniger ab als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang der Kiosk-Verkäufe um 15 Prozent binnen Jahresfrist. Insgesamt verlor «Focus» damit mehr als 45.000 Käufer und fast sechs Prozent der Auflage. Sie liegt derzeit bei 735.000 Stück.Ungeachtet der schlechten Einzelverkaufs- Statistik blieb laut IVW «Der Spiegel» mit durchschnittlich 1,055 Millionen verkauften Exemplaren (minus 3,6 Prozent) pro Ausgabe meistverkaufter Titel vor dem «Stern» mit 1,019 Millionen (minus 3,1 Prozent) und «Focus» mit 735.000 (minus 5,8 Prozent).
Kritik aus der Werbewirtschaft
Unmittelbare Konsequenzen sind in den einzelnen Häusern unterdessen noch nicht abzusehen. Vielmehr wird auf den langfristigen Trend verwiesen, demzufolge die Zeitschriften sich gar nicht so schlecht halten. Aus der Werbewirtschaft ist allerdings schon Kritik zu hören: Man erkenne einen «besorgniserregenden Trend», eine «Schräglage», die manchem Anzeigenkunden nicht zuletzt eingedenk der hohen Anzeigenpreise der Magazine gar nicht schmeckt. (nz)