Handgreiflichkeiten im ARD-«Presseclub»
06.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Handgreiflichkeiten im ARD-«Presseclub»
Bei einer Diskussion über deutsches Nationalgefühl im ARD-«Presseclub» ist es zu einem Eklat gekommen. Der «Spiegel»-Kulturchef und der «Handelsblatt»-Vizechef gerieten aneinander. Es soll nicht nur verbale Attacken gegeben haben.
Im ARD-«Presseclub» ist es am Sonntag zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen zwei Redakteuren gekommen. In der Sendung (Thema: «Stunde der Patrioten - Die Deutschen entdecken wieder Nationalgefühl») gerieten Roland Tichy, stellvertretender Chefredakteur des «Handelsblatt», und Matthias Matussek, Kulturchef des «Spiegel» heftigst aneinander.
Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, fühlte sich Matussek zunächst von allgemein gehaltenen Bemerkungen des Handelsblatt-Vize Tichy provoziert. Dieser hatte dem «Spiegel»-Mann, der sich derzeit auf einer Promotiontour für sein Buch «Wir Deutschen - Warum die anderen uns gern haben können» befindet, darüber belehrt, dass Nationalstaatskonzepte in der Wirtschaft keine Rolle mehr spielten, was auch ganz gut so sei.
«Unverschämt!»Matussek kanzelte daraufhin Tichys Ansichten als «Fluchtverhalten» ab, die neurotisch seien. Tichy hielt dem entgegen, er könne mit Matusseks «engstirnigem Nationalismus» nichts anfangen. «Das nehmen Sie zurück!», brüllte daraufhin der «Spiegel»-Ressortchef. «Unverschämt!»
Damit nicht genug: Nach Ende der Sendung sei der Streit, wie die «Süddeutsche» schreibt, «in selten erlebter Form» weiter gegangen. So habe Matussek ihn, Tichy, «hart am Oberarm angepackt und gegen den Tisch gedrückt». Der «Spiegel»-Mann habe ihn zudem als einen «ganz linken Finger» bezeichnet, zitiert die «Süddeutsche» den «Handelsblatt»-Vize-Chef. «Sie mache ich fertig!», soll Matussek gesagt haben. Und: «Sie merke ich mir!»
«Versuchter Rufmord»Tichy habe sich «bedroht gefühlt», gibt ihn die «Süddeutsche» wieder. Matussek -dagegen versicherte demnach, er habe Tichy nicht berührt. Er habe ihm lediglich gesagt: «Das war versuchter Rufmord. Das werde ich nicht vergessen.»
Der für die Sendung federführende Westdeutsche Rundfunk (WDR) relativierte indessen den Vorgang. Es habe «keine bedrohliche Situation» vorgelegen, spielte WDR-Redakteur Michael Hirz den Streit laut «SZ» herunter. «Das war eher eine Frage der Kinderstube. Herr Matussek hat ein sehr hohes Erregungspotential.»
Zugleich kündigte Hirz Konsequenzen an: Künftig werde mit temperamentvollen Gästen vor der Sendung ein Gespräch über das «erforderliche Mindestmaß an bürgerlichen Umgangsformen» geführt, sagte er. (nz)