29.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das Redaktionsgebäude der Berliner Zeitung
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Redakteure der «Berliner Zeitung» protestieren gegen die überraschende Berufung eines neuen Chefredakteurs: Am Dienstag gibt es keine Frühausgabe der Zeitung.
Aus Protest gegen die Berufung eines neuen Chefredakteurs soll eine Teilausgabe der «Berliner Zeitung» nicht erscheinen. Geschäftsführer Peter Skulimma und die Betriebsratsvorsitzende Renate Gensch kündigten an, dass die Frühausgabe am Dienstag entfallen werde. Laut Gensch ist dies eine Reaktion auf die Mitteilung des Verlags, dass der Chefredakteur und Geschäftsführer der «Hamburger Morgenpost», Josef Depenbrock, mit sofortiger Wirkung die Nachfolge von Uwe Vorkötter antritt.
Die Redaktion hat gegen die Entscheidung eine Protesterklärung aus «Sorge über die Zukunft unserer Zeitung» verfasst. Laut Betriebsrat gab es den ganzen Tag über Versammlungen und Beratungen mit den Mitarbeitern. Am Dienstag solle die Spätausgabe als Notausgabe mit zwölf Seiten und einem redaktionellen Hinweis auf der ersten Seite erscheinen.
Depenbrock, der sich am Montag in der Redaktion vorstellte, soll außerdem gleichzeitig in der Geschäftsführung der BV Deutsche Zeitungsholding tätig sein. In dieser Gesellschaft haben die angloamerikanischen Investoren ihre Zeitungen in Deutschland zusammengefasst, wie die «Berliner Zeitung», den «Berliner Kurier» und die «Hamburger Morgenpost».
In der Erklärung der Redaktion heißt es dazu: «Die Redaktion wird mit ihrer ganzen Kraft dafür kämpfen, dass diese Verquickung zwischen redaktionellen und wirtschaftlichen Interessen auch unter der neuen Führung nicht zum Verlust journalistischer Qualität und Unabhängigkeit führt.»
«Ungeheurer Vertrauensbruch»Die Mitarbeiter kritisieren außerdem, dass die Geschäftsführung mitten in Verhandlungen über ein Redaktionsstatut einen neuen Chefredakteur vorgestellt habe. Ein wichtiger Punkt der Verhandlungen sei aber ein Vetorecht bei der Berufung der Chefredaktion gewesen. «Das ist ein ungeheurer Vertrauensbruch und ein Affront gegenüber der Redaktion», sagte der Vorsitzende des Redakteursausschusses, Ewald B. Schulte, der Netzeitung.
Nun werde die Redaktion vor vollendete Tatsachen gestellt. Geschäftsführer Skulimma betonte, er werde an der Berufung des neuen Chefredakteurs festhalten. (nz)