netzeitung.deOnline-Zeitung wegen Putin-Satire geschlossen

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Der russische Präsident Putin (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der russische Präsident Putin
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In einem satirischen Artikel hatte sich der Chefredakteur einer russischen Internet-Zeitung über Präsident Putin lustig gemacht. Prompt wurde die Website abgeschaltet.

Die Staatsanwaltschaft im zentralrussischen Iwanowo hat ein Strafverfahren gegen den Chefredakteur der örtlichen Internet-Zeitung «Kursiv» eingeleitet. Sie wirft dem Journalisten Wladimir Rachmankow vor, mit seinem Artikel «Putin als Phallussymbol Russlands» den Staatschef beleidigt zu haben, berichtet die Moskauer Zeitung «Kommersant» am Dienstag. Die Website der Internet-Zeitung wurde inzwischen abgeschaltet.
Rede zum Kindermangel
In seinem satirischen Artikel hatte Rachmankow sich am Donnerstag vergangener Woche über Putins Rede zur Lage der Nation lustig gemacht, in der der Staatschef die niedrige Kinderzahl zu einem Hauptproblem Russlands erklärt hatte. Unter Hinweis auf eine Pressemitteilung des Zoos von Iwanowo über dort zur Welt gebrachten Nachwuchs schrieb der Journalist, zumindest die Zootiere hätten «sofort auf die Anweisung des Präsidenten reagiert».
Wohnung durchsucht
Bereits einen Tag nach der Veröffentlichung des Beitrags durchsuchten Mitarbeiter der Iwanower Staatsanwaltschaft die Redaktionsräume sowie Rachmankows Wohnung und beschlagnahmten dabei alle Computer und die Gründungsdokumente der Internet-Zeitung. Der beschuldigte Chefredakteur erklärte, bei dem Text handele es sich um «eine harmlose Satire».
Linguistisches Gutachten
Die Staatsanwaltschaft kündigte dagegen an, durch ein linguistisches Gutachten klären zu lassen, ob der Tatbestand der Beleidigung erfüllt sei. Sollte es zu einem Prozess gegen Rachmankow kommen, müsste dort auch der angeblich beleidigte Wladimir Putin auftreten, was als äußerst unwahrscheinlich gilt. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie handle aus Eigeninitiative. Eine Beschwerde der Moskauer Präsidentenverwaltung habe es nicht gegeben.
Chefredakteur verprügelt
Die Online-Zeitung «Kursiv» stand zuletzt in deutlicher Opposition zu dem neuen Gouverneur von Iwanowo, Michail Men. Rachmankow wurde wegen seiner Berichterstattung nach eigenen Angaben im Frühjahr sogar im Gebäude der Gebietsverwaltung von einem Mitarbeiter verprügelt. Offizielle Stellen dementierten den Vorfall allerdings. (nz)