netzeitung.deZDF-Nachrichten immer unpolitischer

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ZDF-Nachrichten-Moderatoren Steffen Seibert und Petra Gerster (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe ZDF-Nachrichten-Moderatoren Steffen Seibert und Petra Gerster
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die Nachrichten der privaten Fernsehsender werden immer häufiger von Berichten über Kriminalität und Prominente bestimmt. Doch auch beim ZDF geht es zunehmend um Allerwelts-Themen.

Die Fernsehnachrichten werden immer unpolitischer. Immer häufiger bestimmten sogenannte Boulevardthemen - etwa Meldungen über Prominente - die Berichterstattung, lautet das Ergebnis einer Langzeitstudie der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Medien (LfM).

Im Zeitraum von 1992 bis 2004 wurden für die Untersuchung mehr als 3000 Fernsehnachrichten analysiert. Dabei wurde eine Zunahme der unpolitischen Themen festgestellt, besonders stark bei Sat1 und beim ZDF. Immer häufiger bestimmten Boulevard-Themen aus dem Bereich des Bunten und der Prominenten die Inhalte, hieß es.

ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender hingegen sieht nicht, dass die Politik-Berichterstattung langweilig geworden sei - auch nicht in Zeiten der Großen Koalition. «Es stimmt nicht, dass den Medien die Füße eingeschlafen sind, und wenn es so wäre, dann wären die Medien selbst daran schuld», sagte Brender am Montagabend in Leipzig auf dem «Medientreffpunkt Mitteldeutschland». Nun könne über Sachthemen berichtet werden. Es liege an den Journalisten, dies auf spannende Weise umzusetzen.

Zunehmend ausdrucksstarke Bilder
Die LfM-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Entpolitisierung der Nachrichten bis zum Jahre 2001 nur bei den Privatsendern zu beobachten gewesen sei. Zwar ist inzwischen auch bei den öffentlich-rechtlichen Veranstaltern ein Anstieg von unpolitischen Themen zu verzeichnen, doch überwog bei ARD und ZDF im Jahr 2004 im Gegensatz zu den Privaten nach wie vor die politische Berichterstattung.

Klassische Sprechernachrichten werden zudem laut Studie im privaten Fernsehen immer seltener: Die kommerziellen Fernsehsender präsentierten Nachrichtensendungen zunehmend mit ausdrucksstarken Bildern, teilte die LfM mit. Nachrichten im Film hätten in den letzten 15 Jahren «enorm zugenommen».

Bei der Nachrichtenauswahl spielen demnach insbesondere die Faktoren Prominenz, Kontroversen und Aggression eine übergeordnete Rolle, fanden die Forscher heraus. Im Jahr 2004 erklärten diese Faktoren am besten Umfang, Platzierung und Ankündigung der unpolitischen Berichterstattung vor allem der privaten Fernsehsender. (nz)