05.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Bestreitet weiter die Vorwürfe gegen ihn: Gary Glitter
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In einem Interview mit der «BBC» hat Gary Glitter aus dem Gefängnis beteuert, er habe keine Kinder missbraucht. Dem Sender wird nun vorgeworfen, er habe dem Ex-Musiker eine Plattform gegeben.
Ein Interview mit dem Ex-Musiker und verurteilten Pädophilen Gary Glitter hat die BBC in Großbritannien ins Zentrum der Kritik gebracht. Wegen sexuellen Missbrauchs einer Elf- und einer Zwölfjährigen war Glitter in Vietnam vor einigen Wochen zu drei Jahren Haft verurteilt worden.
In dem Interview hatte Glitter die Vorwürfe gegen ihn vehement bestritten und die britischen Medien für seine Situation verantwortlich gemacht. Allerdings war vieles, was der ehemalige Glam-Rocker in dem Gespräch gesagt hatte, einigermaßen wirr. Gefragt, ob er jemals mit einem minderjährigen Mädchen geschlafen habe, zögerte er zunächst, um dann zu sagen: «Ich habe erst kürzlich herausgefunden, dass die Altersgrenze in diesem Land bei 18 Jahren liegt. Aber ich glaube nicht, dass ich mit irgendjemand unter 18 geschlafen habe.»
Was der Sendung folgte, war ein Sturm der Entrüstung. Von mehr als 200 Beschwerden berichtet die «BBC» selbst auf ihrer Website, auch in der Politik beschäftigt man sich mit dem Thema: «Die meisten Menschen würde die Idee erschrecken, dass die BBC Gary Glitter eine Plattform gibt, um seine Verbrechen zu leugnen»; sagte John Whittingdale, der kulturpolitische Sprecher der konservativen Partei.
Warnung an andere Sex-TouristenChristine Beddoe, Leiterin der britischen Initiative «Beendet Kinder-Prostitution», betonte, man müsse den Kindern erlauben, ihre Geschichte zu erzählen und nicht nur die Worte von Glitter für sich stehen lassen. Gleichzeitig sagte sie, die beiden missbrauchten Mädchen hätten sehr klar ausgesagt, was geschehen sei.
Philippa Lei von der Hilfsorganisation «World Vision» konnte an den Vorfällen um Glitter zumindest noch positiv finden, dass diese die Augen der Öffentlichkeit auf das Thema Sex-Tourismus gelenkt hätten. Die Verurteilung sei eine deutliche Warnung an alle anderen, die vorhätten, im Ausland Sex mit Kindern zu haben.
«BBC» steht zu ihrem BeitragDie «BBC» selbst steht zu ihrem Beitrag. In der Anmoderation zu dem Gespräch habe man klar gestellt, dass Glitter Kinder missbraucht habe und sich weigere zuzugeben, dass er etwas Falsches getan habe. Außerdem sei über den Prozess sowohl in Großbritannien als auch in Vietnam ausführlich berichtet worden, so dass bei den Zuschauern keine Zweifel an Glitters Schuld hätten aufkommen können.
Glitter war Ende der Neunziger Jahre zum ersten Mal aufgefallen, als die Polizei auf seinem Computer mehr als 4000 Fotos gefunden hatte, die den Missbrauch von Kindern zeigen. Der Musiker selbst sieht das als den Beginn einer Jagd der Medien auf ihn in der Tat hatten ihn Reporter in Vietnam aufgespürt, wo er gemeinsam mit den beiden Mädchen ein Haus bewohnte. Gegen das Urteil ist Glitter in Berufung gegangen. Die Verhandlung ist für den 19. Mai angesetzt. (nz)