15.04.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Die Berichterstattung über die umstrittenen Mohammed-Karikaturen hatte für eine russische Wochenzeitung dramatische Folgen: Das Blatt wurde eingestellt, die Chefredakteurin muss Strafe zahlen.
Ein Gericht in der nordrussischen Stadt Wologda hat die Chefredakteurin einer Wochenzeitung wegen Volksverhetzung verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen abgedruckt. Anna Smirnowa müsse eine Strafe von umgerechnet knapp 3000 Euro zahlen, berichtete die Moskauer Zeitung «Kommersant». Bis zur Überweisung der Summe darf sie das Russland nicht verlassen.
Die örtliche muslimische Gemeinde, die als Nebenkläger an dem Prozess teilnahm, hatte zusätzlich auf Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 30.000 Euro geklagt, konnte sich mit dieser Forderung jedoch nicht durchsetzen.
Smirnowa bezeichnete das Strafverfahren als «Farce». Sie kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen und notfalls eine Beschwerde beim Straßburger Menschenrechts-Gerichtshof einzulegen.
Die Wochenzeitung «Nasch Region» (Unsere Region) hatte im Februar einen Beitrag über den Konflikt um die Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und als Illustration einige der umstrittenen Abbildungen abgedruckt. Das Blatt stellte inzwischen als Folge des Konflikts das Erscheinen ein. (nz)