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Medienaufsicht gegen MTV-Serie zum Papst

12. Apr 2006 15:49
Papst Benedikt XVI.
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Im Streit um die geplante MTV-Serie «Popetown» dringt die Medienaufsicht auf einen Ausstrahlungsverzicht. Experten können hingegen nichts Schädliches an dem Comic finden.

Die für den Jugendschutz zuständige Medienaufsicht hat an den Musiksender MTV appelliert, die Ausstrahlung der umstrittenen Papst Cartoonserie «Popetown» «noch einmal zu überdenken». In einem am Mittwoch veröffentlichten Offenen Brief an MTV-Geschäftsführerin Catherine Mühlemann verwies der Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), Wolf-Dieter Ring, darauf, dass sogar die BBC in Großbritannien als Produzentin der Serie «nach entsprechenden Protesten aus der Mitte der Gesellschaft seinerzeit auf die Ausstrahlung verzichtet» habe.

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Zuvor hatten neben der evangelischen und der katholischen Kirche auch die CSU und die Unionsfraktion im Bundestag gegen die ab 3. Mai geplante Ausstrahlung der Serie und die für sie werbende Zeitschriftenanzeige protestiert. Die KJM kündigte eine inhaltliche Prüfung an, «sobald die erste Folge der Serie ausgestrahlt wurde». KJM-Chef Ring regte in seinem Brief außerdem an, «in so einem grundsätzlichen Fall wie diesem die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) einzuschalten, um deren Bewertung einzuholen».

Mißfelder: Geschmacklose Sendung

Die Junge Union (JU) vertrat die Auffassung, dass mit der Serie der christliche Glaube «der Lächerlichkeit preisgegeben» werde. «Die geschmacklose Sendung» dürfe daher nicht ausgestrahlt werden, forderte JU-Chef Philipp Mißfelder. Er unterstützte dabei entsprechende Forderungen der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland. Dass gerade ein Jugendsender den christlichen Glauben der Lächerlichkeit preisgebe, sei «ein besonderer Grund der Besorgnis».

Scharfe Kritik kam am Mittwoch auch aus dem Erzbistum Köln. Der Diözesanrat der Katholiken bezeichnete die Serie und die Anzeige als «widerwärtige Verhöhnung der katholischen Kirche». Der christliche Glaube werde auf «ungeheuerliche Weise» verunglimpft.

Experte: Nicht schädlich

Dagegen bewertete der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister die Serie so: «Jede realistische Dokumentation über die Rolle der katholischen Kirche im Mittelalter wäre für das Ansehen des Vatikans schädlicher als diese Zeichentrickserie.» Hachmeister, Direktor des Instituts für Medienpolitik in Berlin, hatte 2005 das Fernsehfestival Cologne Conference organisiert, bei dem die Serie «Popetown» unter den «Top Ten» der Veranstaltung rangierte. Die Serie wurde 2005 in Australien gezeigt und wird in Großbritannien auf DVD vertrieben.

Nach einer Beanstandung des Deutschen Werberates hatte MTV bereits auf die weitere Verbreitung der umstrittenen «Popetown»-Werbeanzeige verzichtet. Die ganzseitige Anzeige für die Comic-Serie über einen «durchgeknallten Papst» zeigte einen lachenden Jesus mit Dornenkrone und Wundmalen im Fernsehsessel - im Hintergrund ein leeres Kreuz. Der Titel der Anzeige lautete «Lachen statt rumhängen». (nz)

 
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