06. Apr 2006 14:34
Hamburger Jugendliche sollen von einem Fernsehteam zu Straftaten motiviert worden sein. Es wurden nur «Aufwandsentschädigungen» gezahlt, erklärte das ZDF.
Der Schulleiter der Hamburger Gesamtschule Mümmelmannsberg erhebt schwere Vorwürfe gegen das ZDF: Ein Fernsehteam soll im Auftrag das Magazins «ZDF.reporter» Schülern für gestellte Gewaltszenen bezahlt haben. Der Schulleiter habe die Schulbehörde über den Vorfall informiert, sich beim ZDF beschwert und Aufklärung verlangt, berichtete das «Hamburger Abendblatt».Das ZDF erklärte dazu am Donnerstag, es habe keine gestellten Gewaltszenen gegeben, räumte jedoch ein, dass «Aufwandsentschädigungen» gezahlt worden seien. Die Reporterin habe darauf geachtet, «dass die Jugendlichen nicht durch die Kamera zu gewalttätigen Szenen animiert wurden» und sich um Deeskalation bemüht, sagte ZDF-Sprecher Peter Bogenschütz der dpa. «Es wurde nicht bezahlt, um irgendwelche Gewaltszenen zu stellen.»
Bogenschütz betonte, dass die am 29. März gesendete Reportage sei nicht von der Redaktion «ZDF.reporter», sondern von einer freien Produktionsfirma aus Hamburg gedreht worden. Diese habe zwei Schülern jeweils 200 und 100 Euro gezahlt, weil sie bis zu acht Tage lang gefilmt wurden. «Im Vorfeld» sei dem ZDF von den Geldzahlungen allerdings nichts bekannt gewesen, hieß es weiter.
Schulleiter Klaus Reinsch geht davon aus, dass Schüler «durch finanzielle Anreize» angehalten wurden, Straftaten zu begehen.
In dem Film zeigen die Jugendlichen Waffen und gehen wie zufällig aufeinander los. «Ja, ich habe Geld bekommen», zitiert die Zeitung einen 15-Jährigen. Und weiter: «Die haben uns richtig gekauft. Erst haben sie gesagt, sie wollten viel Positives über den Stadtteil sagen, dann wollten sie Action sehen. Wir sollten so tun, als würden wir uns prügeln und Drogen kaufen. Ich habe das so gemacht, wie die das haben wollten.» (nz)