ARD-Chefredakteur von der Tann rechnet ab
Es gebe bei den Dokumentationen ein Überangebot und das Bestreben einiger Sender, «Themen notfalls auch ein bisschen künstlich auf möglichst viele Folgen» zu strecken, um möglichst andauernd im Programm präsent zu sein. «Dem Programm würde es deutlich mehr nützen, wenn manchmal teure Qualität vor Quantität ginge», schreibt von der Tann in einem Brief, den die «Süddeutsche Zeitung» in ihrem Online-Auftritt dokumentiert.
Der ARD-Chefredakteur plädiert bei den Montags-Dokumentationen für «deutlich weniger Serien». Nach Beobachtung von der Tanns, der seit 1993 ARD-Koordinator ist, werden für den Sendeplatz am Montag um 21 Uhr von der Konferenz der Chefredakteure und Kulturchefs mitunter auch «Projekte gegen jegliche Vernunft verabschiedet». Das hänge damit zusammen, «dass sich letztlich keiner für den Platz verantwortlich fühlt und so sieht er dann auch aus».
Dass er sich offener als früher äußere, begründete von der Tann damit, dass «alte Männer nichts mehr zu verlieren» haben, und dass er «wirklich glaube, dass wir uns einen mindestens herzogschen Ruck geben müssen».
Von der Tann geht Ende Juni in den Ruhestand; sein Nachfolger wird Thomas Baumann, der stellvertretende Leiter des ARD- Hauptstadtstudios in Berlin. (nz)

