netzeitung.de«Tagesspiegel» sieht sich zu unrecht kritisiert

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Karikaturen, die iranische Fußballspieler mit Sprengstoffgürteln zeigen, haben dem Urheber Drohungen eingebracht. Der Zeichner Klaus Stuttmann spricht von einem «Missverständnis».

Der Karikaturist Klaus Stuttmann ist wegen einer Zeichnung im Berliner «Tagesspiegel» Ziel von Morddrohungen geworden. Unbekannte hätten ihm entsprechende E-Mails gesandt, berichtet die Zeitung am Dienstag. Anlass ist die umstrittene Karikatur Stuttmanns vom Freitag. Er hatte iranische Fußballspieler mit Sprengstoffgürtel neben deutschen Fußballspielern in Bundeswehruniform stehend gezeichnet.

Auch die iranische Botschaft hat bereits dagegen protestiert.

Laut «Tagesspiegel» wollte der Karikaturist allerdings gar nicht die Iraner in den Mittelpunkt seiner Zeichnung stellen, sondern damit auf Pläne zum Einsatz der Streitkräfte bei der Fußball-WM kritisch reagieren. Es habe «ein Missverständnis» vorgelegen. Der Staatsschutz nahm Ermittlungen auf.

Der Generalsekretär der iranischen Sportpressegemeinschaft, Manuchehr Sandi, nannte die Karikaturen «einen schmutzigen Witz» und kündigte einen Protest bei der deutschen und internationalen Sportpresse an.

«Mangelnde Vertrautheit»
Die Chefredaktion teilte mit, sie bedauere die Reaktionen der Iraner, die sich nur «mit mangelnder Vertrautheit mit der innenpolitischen Debatte in Deutschland erklären» ließen. «Selbstverständlich wollten weder Herr Stuttmann noch der Tagesspiegel die Integrität der iranischen Fußballer in Frage stellen», schrieb das Blatt.

Redaktionsdirektor Gerd Appenzeller sagte, Absender der Droh-E-Mails seien in der ganzen Welt auszumachen gewesen. «Ganz eindeutig haben die meisten Schreiber keine Ahnung von dem innenpolitischen Hintergrund der Karikatur, oder sie haben die Zeichnung möglicherweise selbst auch gar nicht oder nicht komplett gesehen.» Man habe als einen der Verursacher der Protestwelle ein iranisches Fußballfan-Forum vermutet und geantwortet, und das habe erkennbar zur Beruhigung beigetragen.

Ausgezogen
Stuttmann selbst ist nach mehreren Morddrohungen inzwischen von zu Hause ausgezogen. «Die Mehrzahl der Mails war unflätig», sagte er der Dienstagausgabe zufolge.

Viele Schreiber hätten sich aber auch beschwert, dass die iranische Nationalmannschaft nichts mit der Regierung zu tun habe. «Das war mir nicht so klar.» (nz)