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Journalistenverband kritisiert Mohammed-Satire

01. Feb 2006 12:28, ergänzt 16:56
Der Deutsche Journalistenverband hält nicht viel davon, dass deutsche Zeitungen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen eines dänischen Blattes nachgedruckt haben. Damit werde der Pressekodex verletzt, sagte ein Sprecher.

Von Ann Kathrin Sost

Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in deutschen Zeitungen kritisiert. Entscheidend sei die Ziffer 10 des Pressekodex, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner der Netzeitung. Danach seien «Veröffentlichungen in Wort und Bild, die das sittliche oder religiöse Empfinden einer Personengruppe nach Form und Inhalt wesentlich verletzen können, mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren».

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Deutsche Tageszeitungen hatten am Mittwoch die Karikaturen über den Propheten Mohammed nachgedruckt, die zuerst in einer dänischen Zeitung erschienen waren. Wegen der Veröffentlichung war es in der arabischen Welt zu Protesten und Boykottaufrufen dänischer Produkte gekommen. Die Zeitung «Die Welt» machte ihre Mittwochausgabe auf der ersten Seite mit einer der Karikaturen auf und druckte weitere im Innenteil ab. Auch die «Berliner Zeitung» zeigte auf der zweiten Seite mehrere der umstrittenen Motive.

Der Presserat habe in ähnlichen Fällen bereits Rügen erteilt, in denen allerdings das christliche Empfinden verletzt wurde, sagte Zörner. Er räumte ein, die Zeitungen könnten mit der Chronistenpflicht argumentieren. Es sei verständlich, wenn sie den Lesern zumindest zeigen wollen, worum es bei dem Konflikt gehe. Dafür hätte die «Welt» sich aber auf eine einzelne Karikatur beschränken und darauf achten können, dass sie nicht gegen muslimische Grundsätze verstoße.

Presserat wartet Beschwerden ab

Der Presserat dagegen reagierte zurückhaltend. Wenn Beschwerden über die Abdrucke eingingen, werde man prüfen, ob sie gegen den Pressekodex verstoßen, sagte Arno Weyand vom Presserat der Netzeitung. Da die Zeitungen aber nicht Urheber der Karikatur seien, könne man ihnen möglicherweise nichts vorwerfen. Eine Rüge des Presserats zu diesem Zeitpunkt sei auf jeden Fall ausgeschlossen.

Der Chefredakteur der Zeitung «Die Welt» nannte den Abdruck unterdessen eine journalistische Pflicht. «Das ist jetzt ein politischer Vorgang», sagte Roger Köppel der Nachrichtenagentur dpa. Bei allen Veröffentlichungen müsse man das journalistische Ethos bewahren und vorsichtig sein. Er finde aber nicht, dass die Karikatur zu weit gehe.

Das Recht, Gott zu karikieren

Die französische Boulevardzeitung «France-Soir» ging sogar noch weiter als ihre deutschen Kollegen. Sie druckte am Mittwoch alle zwölf umstrittenen Karikaturen aus dem dänischen Blatt «Jyllands-Posten» nach. «Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren», hält die Zeitung auf seiner Titelseite fest.

«Jyllands-Posten» hatte sich am Montag für die Karikaturen entschuldigt. Chefredakteur Carsten Juste erklärte, die Zeichnungen hätten nicht gegen dänische Gesetze verstoßen, aber unzweifelhaft viele Muslime beleidigt. Bei ihnen wolle man sich entschuldigen.

 
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