03. Jan 2006 12:12
AP-Chefredakteur Gehrig warnt vor den Gefahren der Routine, deren Opfer offenbar auch die Grünen geworden sind. Die Nachrichtenagentur sorgte zu Jahresbeginn für Schlagzeilen – unfreiwillig und in eigener Sache.
Die Nachrichtenagentur AP ist nach eigenen Angaben einem Neujahrsscherz aufgesessen. Eine zunächst unter der Überschrift «Bund Deutscher Juristen fordert Aussagen unter 'leichter Folter' – Offene Diskussion und Bruch von Tabus verlangt» verbreitete Meldung zog die Agentur rund eineinhalb Stunden später ersatzlos zurück, weil «Zweifel an der zitierten Organisation aufgekommen» waren. Zu diesen Zeitpunkt war die Nachricht allerdings schon von anderen Medien als Beitrag zur aktuellen Debatte über die Nutzung von unter Folter erlangten Informationen aufgegriffen worden.In einer als Pressemitteilung aufgemachten E-Mail mit der Überschrift «BDJ unterstützt Folterforderung von Bundesinnenminister Schäuble» wurde ein Claus Grötz als Chef des Bundes Deutscher Juristen (BDJ) und Richter am Bundesgerichtshof (BGH) mit den Worten zitiert: «Die Zeit der weihnachtlichen Sentimentalitäten ist vorbei. Wir müssen das Thema offen diskutieren.» Plädiert wurde für die «Gewinnung von Aussagen mittels leichter Foltermaßnahmen und die Verwertung solcher Aussagen».
Bei Recherchen stellte die Agentur dann fest, dass es weder einen BGH-Richter Grötz noch den BDJ gibt. «Dass diese Fälschung die gesunde Kritik ausschalten konnte, zeigt, wie entschieden wir den Gefahren der Routine begegnen müssen», sagte dazu AP-Chefredakteur Peter M. Gehrig. Die AP wolle diese erste schlechte Nachricht des neuen Jahres zum Anlass nehmen, die interne Qualitätskontrolle zu steigern.