netzeitung.deWeitere Schleichwerbefälle bei ARD vermutet

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Hagen Boßdorf (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hagen Boßdorf
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Der Fall Boßdorf könnte nach Einschätzung des FDP-Medienpolitikers Waitz «zu einem Fall der ARD» werden. Hintergrund ist Schleichwerbung, in die der Sportjournalist verwickelt sein könnte.

Der medienpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Christoph Waitz, hat schwere Vorwürfe gegen die ARD erhoben. Im Zusammenhang mit einer internen Untersuchung des Westdeutschen Rundfunks (WDR), wonach der ARD-Sport-Koordinator Hagen Boßdorf von Schleichwerbung in der Show «Star-Biathlon 2005» gewusst haben könnte, sagte Waitz der Netzeitung, der Fall Boßdorf könne «zu einem Fall der ARD werden». Schleichwerbung bei der ARD «ist aus meiner Sicht weiter verbreitet, als bisher bekannt war». Er rechne damit, so Waitz, «dass Informationen über vergleichbare Schleichwerbefälle auftauchen werden und noch weitere Persönlichkeiten der ARD in den Skandal verwickelt sind».

Boßdorf nicht disqualifiziert
Verständnis äußerte Waitz für die Haltung ARD, an dem mit neuen Stasi-Vorwürfen konfrontierten Sportjournalisten Hagen Boßdorf zunächst festzuhalten. «Aus unserer Sicht waren der ARD und dem NDR als Arbeitgeber bekannt, dass Boßdorf eine belastete Vergangenheit hatte. Ich halte es daher für nachvollziehbar, dass arbeitsrechtliche Schritte sehr genau abgewogen werden», sagte der FDP-Politiker.
IM Florian Werfer
Äußerungen des Unions-Medienexperte Wolfgang Börnsen, Boßdorf könne nicht Sportkoordinator der ARD bleiben, wollte sich Waitz nicht anschließen. Börnsen hatte der Netzeitung gesagt: «Wer sich in einer derart herausgehoben Position befindet, für den gelten besondere moralische Ansprüche. Wer als IM Florian Werfer nach Auffassung der Birthler-Behörde aktiv für die Stasi gearbeitet hat, wird solchen Ansprüchen nicht gerecht und kann nicht länger ARD-Sportkoordinator bleiben».

Waitz sagte, die ARD habe sich für Boßdorf entschieden, obwohl «sie wusste, dass er in Stasi-Aktivitäten verstrickt war». Da Boßdorf ansonsten «offenbar eine überdurchschnittliche Qualifikation besitzt, hat ihn das nicht disqualifiziert», so der FDP-Politiker. Vor diesem Hintergrund plädierte Waitz dafür, «auch jenen, die in der Vergangenheit einen Fehler gemacht haben, die Möglichkeit zu geben, sich zu rehabilitieren».

Struve «erstaunt» über NDR
Waitz stützt damit die Haltung von ARD-Programmdirektor Günter Struve, der zu Boßdorf als ARD-Sportkoordinator, steht, weil dieser «nicht nur ein ausgezeichneter Fachmann, sondern auch ein sehr geschätzter Kollege» sei. Struve hatte sich «erstaunt» über die Entscheidung des NDR-Verwaltungsrates zur Aufhebung des Arbeitsvertrages von Boßdorf als designiertem NDR-Sportchef gezeigt. Die Vorsitzende des Gremiums, Rosemarie Wilcken, hatte zu den neuen Stasi-Vorwürfen gegen Boßdorf erklärt, dass nicht alle Zweifel ausgeräumt werden konnten.

Unterdessen war am Donnerstag bekannt geworden, dass sich der NDR-Verwaltungsrat in seiner Sitzung am Dienstagabend mit einem weiteren Vorwurf gegen Boßdorf beschäftigt hatte. Laut einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» soll der WDR die Kollegen vom NDR darüber informiert haben, dass Boßdorf verdächtigt werde, in einen Fall von Schleichwerbung eingeweiht gewesen zu sein.
«Star-Biathlon 2005»
Wie es hieß, sollen die Bierfirma Krombacher und der Energiekonzern Eon beim «Star-Biathlon 2005» für Product Placement insgesamt 60.000 Euro an eine Tochter der Bavaria und der WDR Media Group gezahlt haben. Die Innenrevision des WDR sei bereits vor Monaten auf den Fall gestoßen. WDR-Intendant Fritz Pleitgen bestätigte am Donnerstag, dass es den neuen Schleichwerbeverdacht geben.

Für Waitz könnte der Fall Boßdorf damit «zu einem Fall der ARD werden». Schleichwerbung im Bereich der Sportredaktion der ARD, von der Boßdorf gewusst haben könnte, «ist aus meiner Sicht weiter verbreitet, als bisher bekannt war,» sagte der FDP-Politiker. Er rechne damit, «das Informationen über vergleichbare Schleichwerbefälle auftauchen werden und noch weitere Persönlichkeiten der ARD in den Skandal verwickelt sind.»

Für das Web ediert von Solveig Grothe