netzeitung.deEU-Werberichtlinie besorgt Medienpolitiker

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Medienkontrolleur Beck (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Medienkontrolleur Beck
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Vorschlag von EU-Medienkommissarin Reding für eine neue TV-Werberichtlinie löst überwiegend Kritik aus. Medienpolitiker protestieren gegen die Vermischung von Programm und Reklame.

Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Kurt Beck (SPD), hat die geplanten Werberegelungen der EU für das Fernsehen als halbherzig kritisiert. Er hätte sich gewünscht, dass die EU-Kommission generell die Werbezeiten-Grenzen aufgehoben hätte, sagte Beck, der auch Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz ist.

Die Vorschriften über die tägliche und stündliche Begrenzung der Werbung hätten sich überlebt. Gleichzeitig betonte der SPD-Politiker, dass am Grundsatz der Trennung von Werbung und Programm festgehalten werden müsse.

Die Kommission hatte einen Gesetzentwurf vorgelegt, die den Sendern erlauben soll, die Programme jederzeit für Werbung zu unterbrechen. Die Werbezeit ist auf zwölf Minuten pro Stunde begrenzt. Erlaubt werden soll auch das Product Placement, etwa das Zeigen von Produkten in Filmen gegen Bezahlung. Es muss jedoch zu Beginn der Sendung dem Zuschauer angezeigt werden. In Informations- und Kindersendungen sollen Werbeunterbrechungen wie auch bei Kinofilmen nur alle 35 Minuten erlaubt sein. Reklame für Tabak und verschreibungspflichtige Medikamente bleibe verboten.

Trennung hohes Gut
Die Grünen im EU-Parlament kündigten ihren Widerstand gegen die Erlaubnis von Product Placement im europäischen Fernsehen an. «Für uns Grüne ist die klare Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten ein hohes medienpolitisches Gut», erklärten die Abgeordneten Rebecca Harms und Helga Trüpel. Der Vorschlag von Kommissarin Reding verbietet Product Placement in Nachrichten, politischen Magazinen und Kindersendungen.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) erklärte, wer die Trennung von Werbung und Programm aufhebe, führe die Mediennutzer in die Irre. Ein Hinweis vor der jeweiligen Sendung reiche angesichts des «Zapping-Verhaltens» nicht aus. Der Verlust an Glaubwürdigkeit könnte sich auch auf andere Medien auswirken. In Zukunft könnte die Werbung treibende Wirtschaft auch von anderen Medien Product Placement erwarten.

Der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) begrüßte eine Deregulierung der TV-Werbung. Trotzdem bleibe auch danach das Fernsehen das am stärksten regulierte Medium. Eine Umsetzung der EU-Richtlinie sei frühestens im Jahr 2009 zu erwarten, erklärte VPRT-Präsident Jürgen Doetz. (nz)