21.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Legte einen Zwischenbericht zum Fall vor: BND-Präsident August Hanning
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
In der Affäre um Bespitzelungen durch den BND sind Journalisten möglicherweise nicht nur Opfer gewesen. Medienberichten zufolge soll es auch Zuträger aus Medienkreisen gegeben haben.
Im Zusammenhang mit der Bespitzelung von Journalisten soll der Bundesnachrichtendienst (BND) einem Medienbericht zufolge zwei Mitarbeiter des Magazins «Focus» als Quellen geführt haben. Laut einem Bericht des Magazins «Der Spiegel» sollen der bis vor einem Jahr bei «Focus» beschäftigte Nahost- und Geheimdienstexperte Wilhelm Dietl und ein im «Spiegel» nicht namentlich genannter Rechercheur mit dem Decknamen «Kempinski» Zuträger des Geheimdienstes gewesen sein.
Journalisten als Quelle: «Quatsch» Dietl bestreitet das. Er räumt zwar ein, dass es zwischen ihm und dem BND «Gespräche auf gegenseitiger Basis» und einen «Austausch über das, was man wusste» gegeben habe. Er habe allerdings «zu keiner Zeit den Auftrag gehabt, speziell den 'Spiegel' oder andere Medien auszuforschen», zitiert ihn der «Spiegel».
Auch der ehemalige Sicherheitschef des BND, Volker Foertsch, hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe einen Mitarbeiter des «Focus» als Quelle geführt. Das sei «absoluter Quatsch», sagte Foertsch der «Berliner Zeitung». Er räumte aber ein, mit einem «Focus»-Rechercheur einem ehemaligen Major des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR mehrere Gespräche geführt zu haben. «Gegenstand war jedoch durchweg dessen Wissen aus der Zeit vor 1989, da er uns den Eindruck vermittelte, Verschlüsselungsdetails aus seiner ehemaligen Hauptabteilung zu kennen, die von uns für Interesse waren», zitiert ihn die «Berliner Zeitung».
Keine InformationsaufträgeIn den Berichten über die Gespräche habe er den Mann mit einem Decknamen bezeichnet. Dabei könnte es sich um «Kempinski» gehandelt haben, so Foertsch. «Das heißt aber nicht, dass wir ihn als Quelle geführt haben.»
Die «Berliner Zeitung» will Informationen darüber haben, dass es bei den Gesprächen nicht nur um Stasi-Themen ging, sondern auch die aktuellen Recherchethemen des Magazins. Die Informationen, die der Journalist bei den Gesprächen erhalten habe, seien später in «Focus»-Artikel eingeflossen. Der Journalist habe nicht gewusst, dass er vom BND als Quelle mit Decknamen geführt worden sei, auch seien ihm keine Informationsaufträge erteilt worden, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen nicht genannten Insider des Dienstes.
Überwachungen bis 1996BND-Präsident August Hanning legte dem Kanzleramt am Freitag den geforderten Zwischenbericht zu internen Ermittlungen in dem Fall vor. Befassen soll sich damit das hinter verschlossenen Türen beratende Parlamentarische Kontrollgremium. Nach übereinstimmenden Berichten von «Focus» und «Spiegel» legt Hanning in dem Bericht unter anderem dar, dass der Publizist Erich Schmidt-Eenboom und ein Münchner Journalist von 1993 bis 1996 überwacht wurden.
Wie «Focus» unter Berufung auf die Ermittlungsergebnisse berichtete, wurde sein Reporter Josef Hufelschulte mehr als drei Jahre observiert. Verantwortlich für die Aktion sei die Observationsabteilung QC 30 gewesen, die über Jahre, ohne die Amtsleitung zu informieren, systematisch und gezielt Journalisten ausgespäht habe.
Liebesaffären verfolgtUm den früheren Chef der Abteilung mit dem Decknamen Frank Offenbach, der vor Jahren gestorben sei, bahne sich ein neuer Skandal an, schreibt «Focus» weiter. Der Beamte habe mögliche Verräter in den eigenen Reihen observieren lassen, Trunk- und Spielsucht leitender Mitarbeiter überprüft und Liebesaffären von Agenten verfolgt.
Die darüber angelegten Akten und Überwachungsvideos habe Offenbach aus der Behörde geschmuggelt und das brisante Material kurz vor seinem Tod an einen früheren BND-Mitarbeiter und jetzigen Enthüllungsautor Norbert Juretzko übergeben. Der wolle das Material zu einem Buch verarbeiten, berichtet «Focus». (nz)