10.11.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Reporterin Miller
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Wegen ihrer Rolle in der Affäre um die Enttarnung einer CIA-Agentin hat «New York Times»-Reporterin Judith Miller ihre Zeitung verlassen. Miller hatte wegen ihres Schweigens 85 Tage in Haft verbringen müssen.
Die Journalistin Judith Miller verlässt die «New York Times». Sie könne nicht mehr als Reporterin für die «Times» arbeiten, nachdem sie selbst zur Nachricht geworden sei, schrieb die 57-jährige Pulitzer-Preisträgerin in einem Abschiedsbrief, der auf der Webseite des Blattes veröffentlicht wurde.
Miller verbrachte im Sommer 85 Tage im Gefängnis, weil sie sich weigerte, Angaben über ihre Gespräche mit einer vertraulichen Quelle zu machen. Zunächst unterstützte sie ihre Zeitung mit allen juristischen Mitteln. Als sie dann aber sagte, die Informationen über die CIA-Agentin Valerie Plame stammten vom damaligen Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis Libby, kam es zu Bruch mit der Zeitung, der sie seit 1977 angehörte.
Herausgeber Arthur Sulzberger nahm ihre Kündigung dankend an und lobte ihr «beträchtliches persönliches Opfer, um ein journalistisches Prinzip zu verteidigen». Ein Anwalt Millers bezeichnete die Aufhebungsvereinbarung als einvernehmlich.
Die Affäre zog im Weißen Haus in Washington weite Kreise. Mittlerweile ist gegen den Stabschef von US-Vizepräsident Cheney, Libby, Anklage erhoben worden. (nz)