netzeitung.de«Spiegel»-Eigner: Politische Linie kein Thema

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Stefan Aust (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Stefan Aust
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«Spiegel»-Chefredakteur Aust hat es abgelehnt, seinen Gesellschaftern Rede und Antwort über die politische Ausrichtung des Magazins zu stehen. Darum sei er gar nicht gebeten worden, heißt es dazu von Gesellschafterseite.

Der Sprecher der Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft des «Spiegel», Thomas Darnstädt, dementiert Medienberichte, wonach die Gesellschafterversammlung des Spiegel-Verlages am 16. November die politische Ausrichtung des Magazins zum Thema machen will. «Wir haben nicht vor, die politische Ausrichtung des Blattes zu diskutieren», sagte Darnstädt der Netzeitung. Er bedauere, dass Chefredakteur Stefan Aust dies in die Öffentlichkeit gebracht habe. Die Version, wie sie von Aust in der «Financial Times Deutschland» (FTD) dargestellt worden ist, sei unzutreffend.

Vorladung widerspricht Satzung
Die Mitarbeitergesellschaft und Erben von Magazingründer Rudolf Augstein hatten dem «FTD»-Bericht zufolge beantragt, eine Diskussion über die politische Linie des «Spiegel» auf die Tagesordnung der Gesellschafterversammlung zu setzen und Aust dazu einzuladen. Aust habe dies abgelehnt: «Eine Vorladung des Chefredakteurs mit dem Ziel, mit ihm redaktionelle Inhalte zu erörtern, widerspricht Wortlaut und Inhalt der Satzung.» Der Geschäftsführer habe unter Verweis auf die Satzung abgelehnt, ihn zu laden. Die «journalistische Unabhängigkeit des 'Spiegel' ist für mich von vorrangiger Bedeutung», wird Aust zitiert.

«Wir haben ihn nicht gebeten, sich zu äußern», sagte dagegen Darnstädt. Er hätte sich gewünscht, dass Aust das Gespräch mit ihm gesucht hätte, bevor er sich öffentlich dazu äußert.

«Qualitätsmängel»
Laut Darnstädt wollten sich die Gesellschafter mit Aust lediglich über mögliche «Qualitätsmängel in der Berichterstattung» verständigen. Sie hätten klären wollen, ob es solche gegeben habe, wie von außen behauptet werde, zitiert die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» Darnstädt.

Hintergrund ist laut «FTD» die Kritik, das Magazin habe im Wahlkampf einseitig für CDU-Chefin Angela Merkel und deren Steuerexperten Paul Kirchhof argumentiert. Dem Magazin war vorgeworfen worden, es habe zur Verteidigung von Kirchhofs Steuerkonzept Zahlen aus dessen Institut ungeprüft übernommen. «Der Spiegel» hatte eingeräumt, dass die abgedruckten Berechnungen fehlerhaft waren.

Tagesordnung vertraulich
Die von Darnstädt vertretene Mitarbeiter KG ist mit 50,5 Prozent Mehrheitseigner des Spiegel-Verlags. Darüber hinaus beteiligt sind der Verlag Gruner + Jahr mit 25,5 Prozent und die Erben von «Spiegel»-Gründer Rudolf Augstein mit 24 Prozent.

Welche Themen bei der Gesellschafterversammlung Mitte November nun tatsächlich besprochen würden, wollte Darnstädt nicht sagen: «Die Tagesordnung ist vertraulich.»


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