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Celentano: Medienzensur wie im Faschismus

21. Okt 2005 15:53
Der Sänger und Entertainer Celentano
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In seiner neuen TV-Show hat der Sänger Adriano Celentano der italienischen Regierung vorgeworfen, massiv die Pressefreiheit zu verletzen. Elf Millionen Zuschauer sahen die Sendung.

Von Bettina Gabbe

Adriano Celentanos neue Fernseh-Show «RockPolitik» wurde bereits vor ihrem Start von politischen Querelen begleitet. Eine bessere Werbung hätte der Schlagersänger nicht für sich machen können.

Am Donnerstagabend erreichten seine angekündigten Attacken auf die italienische Regierung etwa elf Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 47 Prozent entspricht. Zur besten Sendezeit um 21:30 Uhr stellte der 67-jährige Celentano seine Show im ersten Programm des Staatsfernsehens RAI unter das Motto Pressefreiheit.

Um zu betonen, wie schlecht es um dieses wichtige Gut in Italien steht, hatte er Journalisten eingeladen, die auf Wunsch von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Regierungskritik entlassen worden waren. Drei Journalisten, die nicht kamen, waren auf der Bühne durch leere Stühle vertreten.

Comeback von Starmoderator Santoro

Ihnen war von der RAI gekündigt worden, nachdem Berlusconi ihnen «kriminellen Gebrauch» des Fernsehens vorgeworfen hatte. Der ehemalige Starmoderator Michele Santoro feierte hingegen ein triumphales Comeback. Er forderte vor der Kulisse aus Hochhäusern, die an Ground Zero erinnerten: «Es lebe die Brüderlichkeit und die Gleichheit. Es lebe die Kultur und die Freiheit.»

Die mit Spannung erwartete Show präsentierte sich als bunte Mischung aus Schlagern, politischen Monologen, Szenen mit Komikern sowie Bildern aus dem Vietnamkrieg, die mit Ausschnitten aus Mozarts Requiem unterlegt waren. Zudem zeigte Celentano Szenen aus Reality-Shows, in denen Kandidaten sich prügelten und voll Ekel Rinderaugen verspeisten.

Celentano äußerte seine Kritik an mangelnder Pressefreiheit unzensiert, klagte aber dennoch: «In diesem Land kann man nur noch Dinge sagen, die die Wahlen gewinnen lassen.» Zum Beweis ließ er eine Statistik der nichtstaatlichen Organisation «Freedom House», einblenden, die zufällig den gleichen Namen wie Berlusconis Regierungskoalition «Casa delle Libertà» trägt.

«Pressefreiheit wie in Bulgarien und Mongolei»

In der «Freedom House»-Rangliste für Pressefreiheit weltweit liegt Italien auf Platz 79 zwischen Bulgarien und der Mongolei. Damit herrschen nach Ansicht des Showmasters Verhältnisse wie unter dem Diktator Benito Mussolini. Wenn es während des italienischen Faschismus Fernsehen gegeben hätte, «hätten ihm alle Sender gehört», meinte Celentano.

Berlusconi kontrolliert als Regierungschef indirekt das Staatsfernsehen RAI und als Medienunternehmer die drei landesweiten Privat-Kanäle. Heftige Reaktionen auf Celentanos Sendung blieben nicht aus. Der rechtsnationale Kommunikationsminister Mario Landolfi verurteilte die Show als «Hassfernsehen, das sich nur an die Linke wendet». Immerhin widerlegte Celentano mit seiner Sendung die These, es mangle in Italien an Pressefreiheit. (epd)

 
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