Celentano: Medienzensur wie im Faschismus
21.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Adriano Celentanos neue Fernseh-Show «RockPolitik» wurde bereits vor ihrem Start von politischen Querelen begleitet. Eine bessere Werbung hätte der Schlagersänger nicht für sich machen können.
Um zu betonen, wie schlecht es um dieses wichtige Gut in Italien steht, hatte er Journalisten eingeladen, die auf Wunsch von Ministerpräsident Silvio Berlusconi wegen Regierungskritik entlassen worden waren. Drei Journalisten, die nicht kamen, waren auf der Bühne durch leere Stühle vertreten.
Die mit Spannung erwartete Show präsentierte sich als bunte Mischung aus Schlagern, politischen Monologen, Szenen mit Komikern sowie Bildern aus dem Vietnamkrieg, die mit Ausschnitten aus Mozarts Requiem unterlegt waren. Zudem zeigte Celentano Szenen aus Reality-Shows, in denen Kandidaten sich prügelten und voll Ekel Rinderaugen verspeisten.
Celentano äußerte seine Kritik an mangelnder Pressefreiheit unzensiert, klagte aber dennoch: «In diesem Land kann man nur noch Dinge sagen, die die Wahlen gewinnen lassen.» Zum Beweis ließ er eine Statistik der nichtstaatlichen Organisation «Freedom House», einblenden, die zufällig den gleichen Namen wie Berlusconis Regierungskoalition «Casa delle Libertà» trägt.
Berlusconi kontrolliert als Regierungschef indirekt das Staatsfernsehen RAI und als Medienunternehmer die drei landesweiten Privat-Kanäle. Heftige Reaktionen auf Celentanos Sendung blieben nicht aus. Der rechtsnationale Kommunikationsminister Mario Landolfi verurteilte die Show als «Hassfernsehen, das sich nur an die Linke wendet». Immerhin widerlegte Celentano mit seiner Sendung die These, es mangle in Italien an Pressefreiheit. (epd)

