Terrordrohung gegen dänisches Zeitungshaus
20. Okt 2005 18:04
Eine dänische Zeitung hat Zeichnungen veröffentlicht, die den Propheten Mohammed darstellen. Nun drohen im Internet Unbekannte, die sich als islamische Extremisten ausgeben, mit Anschlägen.
Von Clemens Bomsdorf, KopenhagenDer Dannebrog, die rot-weiße dänische Flagge, mit dem Schriftzug «Jyllands Posten» ist blutunterlaufen, daneben ist eine Bombe abgebildet. Am oberen Bildrand steht in dicken Lettern: «Die Mujahedeen haben viele Ziele in Dänemark, bald werdet ihr alle es bereuen» - in solch einer Aufmachung droht die als islamistisch geltende «Glory Brigade in Northern Europe» Dänemark im Internet.
Andere Bilder und Texte sehen ähnlich aus.
Diese Terrordrohungen sind die extremste Antwort auf eine Ausgabe der Zeitung «Jyllands Posten», die Zeichnungen veröffentlicht hatte, die den Propheten Mohammed darstellen. Nach den Regeln des Islam ist es nicht erlaubt, den Propheten abzubilden.
Tausende demonstrieren
Die große, seriöse Tageszeitung hatte sich deshalb von Muslimen in aller Welt Vorwürfe anhören müssen. Vor einigen Tagen demonstrierten rund 3000 Muslime friedlich vor dem Verlagshaus und die Botschaften mehrerer muslimischer Staaten, darunter Indonesien und Pakistan, haben ein Protestschreiben an die dänische Regierung gerichtet. Das Medienhaus nimmt für sich das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch.Beobachter wissen nicht genau, wie ernst die Websites mit den Drohungen zu nehmen sind. Es sei unklar, ob wirklich Gewalt bereite Islamisten dahinter stehen oder jemand die Internetseite online gestellt hat, weil er Angst verbreiten möchte, heißt es in Dänemark.
Ungewöhnlich direkt
Ebenso ist möglich, dass Anti-Islamisten sie kreiert haben, um die Gefahr ihres Feindbildes aufzubauschen. Die Terrorexpertin Anja Dalgaard-Nielsen weist in der Zeitung «Berlingske Tidende» darauf hin, dass die Texte ungewöhnlich direkt formuliert seien und die üblicherweise häufig verwendeten Koranzitate fehlen würden. Ein Hinweis, dass es sich bei dem Ersteller der Seite womöglich um ein Einzelperson handelt, die keine Anknüpfung zu Al Qaeda hat. Wegen der Beteiligung am Irak-Krieg gilt Dänemark schon seit längerem als mögliches Terrorziel von Islamisten. Doch, das mit «Jyllands Posten» ein Unternehmen statt der Regierung als Gegner genannt wird, ist neu.
Rechtsliberale Regierung
Dänemark wird seit 2001 von einer rechtsliberalen Minderheitsregierung unter Führung von Anders Fogh Rasmussen regiert. Um seine Politik durchsetzen zu können, ist er auf die Unterstützung durch die dänische Volkspartei angewiesen, der häufig Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen wird. Von der EU ist Dänemark wegen seiner strengen Ausländerpolitik bereits kritisiert worden.