Vorkötter «durch Lebenserfahrung klüger»
19. Okt 2005 11:08
 |  Sitz des Berliner Verlages | Foto: dpa |
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Der Chefredakteur der «Berliner Zeitung», Vorkötter, räumt ein, dass sich seine Haltung gegenüber Finanzinvestoren geändert habe, seit sein eigenes Haus vor einer Übernahme steht.
Der Chefredakteur der «Berliner Zeitung», Uwe Vorkötter, will eine Übernahme seines Blattes durch den britischen Medienmanager David Montgomery und dessen Firma Mecom verhindern. Der «Süddeutschen Zeitung» sagte Vorkötter: «Ich setze mich dafür ein, dass die Zeitung einen Eigentümer bekommt, der nicht Montgomery heißt.» In der eigenen Zeitung hatte der Chefredakteur bereits am Montag vor der Übernahme durch den Finanzinvestoren gewarnt.
«Durch Lebenserfahrung klüger»
Dazu, ob er auch im Falle eines Verkaufs des Berliner Verlages an das Konsortium um Montgomery Chefredakteur bleiben würde, sagte Vorkötter nur: «Meine Arbeit ist nicht auf Zeit angelegt.»Vorkötter räumte ein, seine Haltung gegenüber Finanzinvestoren geändert zu haben. Die «Süddeutsche Zeitung» erinnerte ihn an seinen eigenen Leitartikel vom Mai dieses Jahres, in dem er Warnungen vor «einer Heuschrecken-Plage» als «Unsinn» bezeichnet und darauf verwiesen habe, dass die «vorübergehende Übernahme eines Unternehmens durch solche Finanzinvestoren für die Firma und ihre Beschäftigten gut» sein könnte. Er habe sich dagegen gewandt, die Private-Equity-Branche pauschal zu verurteilen, so Vorkötter. «Im Übrigen: Auch Leitartikler werden durch Lebenserfahrung klüger.»
«Sind keine Raider»
Er glaube nicht, so der Chefredakteur weiter, dass die neuen Investoren ein besseres Management mitbrächten. «Wenn es so einfach wäre, Erlöse zu steigern, dann hätten Berliner Verlag, Süddeutscher Verlag, Springer und Holtzbrinck das getan. Wir sind nicht dümmer als Montgomery.»Johannes von Bismarck, Deutschland-Geschäftsführer von Veronis Suhler Stevenson, einem Unternehmen, das an dem Konsortium beteiligt ist, das die «Berliner Zeitung» kaufen will, weist in der gleichen Zeitung Kritik zurück. Man hätte erwartet, «dass sich die Kritiker etwas mehr über die beteiligten Investoren informieren. Wir haben über Jahrzehnte Erfahrungen im Medien- und Verlagswesen. Das sind seriöse Investoren, die nicht auf Zerschlagung setzen. Wir sind keine Raider.»
Gespräche mit Verlegern «nicht sehr weit»
Auf Einzelheiten zu den Plänen bezüglich des Berliner Verlages wollte von Bismarck nicht eingehen: «Nur so viel: Der Verlag wird in seiner Gesamtheit erhalten. Wir setzen auf die hohe Qualität und die Vielfalt seiner Produkte. Diese Einheit ist gerade der Grund, warum wir uns beteiligen.»Zur möglichen Absicht der Investoren, neben dem Berliner Verlag noch weitere Zeitungen in Deutschland zu kaufen, sagte von Bismarck: Man habe mit mehreren Verleger gesprochen, «aber die Gespräche sind nicht sehr weit». (nz)