11.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Logo des Kultursenders 3sat
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das ZDF sieht sich gegenüber der ARD benachteiligt und verlangt zum Ausgleich die Alleinzuständigkeit für den Kultursender 3sat. «Aussichtslos», heißt es dazu beim Ersten.
Der Vize-Vorsitzende der ARD und Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Peter Voß, hält einen wiederholten Versuch des ZDF, die ARD aus dem internationalen deutschsprachigen Satellitenprogramm 3sat zu «verdrängen», für «in der Sache verfehlt und rundfunkpolitisch aussichtslos». Voß reagierte damit am Dienstag auf Äußerungen von ZDF-Intendant Markus Schächter nach einer Fernsehratssitzung in Schwerin.
Schächter hatte ein «deutliches Ungleichgewicht zwischen ARD und ZDF» bei der Anzahl der eigenverantworteten Programme und der Aufteilung der Rundfunkgebühren beklagt. Das ZDF strebe daher die alleinige Verantwortung für den Kultursender 3sat an, sagte der ZDF-Intendant. «Das wäre ein bedeutender Schritt, um die eklatanten strategischen Nachteile des ZDF gegenüber der ARD und den anderen Wettbewerbern zu vermindern.»
3sat durch ARD atraktiver«Wir brauchen zwischen ARD und ZDF eine strategische Partnerschaft und keine egoistischen Verdrängungskämpfe», sagte dazu SWR-Intendant Voß. Gerade im digitalen Zeitalter sollten sich ARD und ZDF enger vernetzen, verbinden und verbünden, statt sich als rivalisierende Senderfamilien gegeneinander zu positionieren und abzugrenzen.
Die Beiträge der ARD stärkten die Attraktivität des 3sat-Programms und entlasteten es zugleich finanziell. Auch die Partner in Österreich und der Schweiz seien am Mitwirken der ARD bei 3sat nachhaltig interessiert, so Voß. Seit über zehn Jahren bringe sich die ARD ebenso wie das ZDF, der österreichische ORF und die schweizerische SRG/DRS erfolgreich bei 3sat ein.
Becks Neutralität gefordertVoß schloss aus, dass die Länder der ARD die staatsvertragliche Grundlage für ihre Beteiligung entziehen könnten: «Ich habe aus mehreren Ländern das klare Signal, dass man diesen Schritt nicht mitgehen würde, zumal man dort sehr genau weiß, dass damit ein sehr weit reichender und verfassungsrechtlich angreifbarer Eingriff in die Rundfunkautonomie verbunden wäre.»
Vorsorglich appellierte Voß an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz, die der Rundfunkkommission der Länder vorsteht, sich in dieser Frage neutral und fair zu verhalten und nicht aus vordergründigen Standortinteressen heraus einseitig Position zu Gunsten des ZDF zu beziehen. Das ZDF hat seinen Hauptsitz in der Landeshauptstadt Mainz. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) ist auch Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats. (nz)