netzeitung.deDritte TV-Revolution: Wichtig bleibt die Story

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Digitales TV verändert das Medium Fernsehen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Digitales TV verändert das Medium Fernsehen
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Digitalisierung, Videojournalismus, Handy-TV: Die Zukunft des Fernsehens hat begonnen. Doch selbst im Prozess rasanter Veränderung bleiben die Inhalte entscheidend. Darin waren sich Experten auf einem Symposium in München einig.

«Das Fernsehen steht vor seiner dritten Revolution nach Einführung des Farb-TV und dem Auftreten der Privatsender.»- Bayerns Staatskanzleichef und «Medienminister» Erwin Huber ließ erst gar keine Zweifel über die Tragweite der atemberaubenden Entwicklung aufkommen. Auf einem Symposium des MedienCampus Bayern und der CSU-nahen Hanns Seidel Stiftung nannte Huber vier Trends: «Fernsehen wird mobiler, weil die Handys eine kaum vorstellbare Qualität und Vielfalt ermöglichen. Es wird zweitens durch gemeinsame Übertragungstechniken Bestandteil des Internets, wenn auf einer Plattform diverse Medien verschmelzen, nämlich Internet, E-Mail, elektronische Zeitung, Radio und TV. Fernsehen wird sich drittens von festen Zeitrastern lösen, weil der Zuseher durch die neuen digitalen Möglichkeiten sein eigener Programmdirektor werden kann. Und TV wird viertens spezieller.» Vollprogramme könnten laut Huber durch Spartensender ersetzt werden. Damit verliere Fernsehen «möglicherweise seine über Jahrzehnte entstandene Integrationskraft». Das könnte auch Konsequenzen für die Öffentlich-Rechtlichen haben.

Für Huber stellt sich angesichts dieser vier Trends die entscheidende Frage, ob Deutschland die sich daraus ergebenden Chancen nutzen könne. «Ein Großteil der Wertschöpfung soll hierzulande stattfinden», forderte der CSU-Politiker. Dahinter verbirgt sich auch die Hoffnung, dass die deutsche Geräteindustrie «einen Teil des Marktes erobert» und dass es zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Technologie, Inhalteproduzenten und Vemarktern kommt. Eine Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Digitalisierung des Kabels scheller vorangetrieben werde. Einen Innovationsschub könnte laut Huber jedenfalls die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bringen. Bei allen technischen Fortschritten steht für ihn eines fest: «Der Zuschauer ist der umworbene König der Zukunft.»

«Renaissance der Öffentlich-Rechtlichen»
Daran knüpfte Urich Berls an, der Leiter des ZDF-Landesstudios Bayern. Auch für die Öffentlich-Rechtlichen, die «gerade eine Renaissance erleben», gehe es um die Quote. Berls: «Wenn die Leute unsere Programme nicht mehr einschalten, dann verlieren wir die Gebührenlegitimation».

Marcus Englert, Direktor Diversifikation bei der ProSiebenSat.1 Media, glaubt auch weiterhin an die Existenz von Vollprogrammen. «Die großen Sender werden in Zukunft eher eine noch größere Rolle spielen», sagte Englert und verwies auf eine Studie, wonach 80 Prozent der Zuschauer hauptsächlich fünf Senderprogramme sehen. Dennoch sei auch für die ProSieben-Gruppe das Engagement im Nischenfernsehen von Bedeutung. «Das wird dann Pay TV sein», so Englert.

Die Verbreitung digitaler Festplattenrekorder, mit denen sich Fernsehen zeitversetzt komsumieren und Werbung überspringen lässt, sieht Englert durchaus als Gefahr. Möglichen Ausfällen bei den Werbeeinnahmen müssten die Privaten dann eben mit «kreativen Geschäftsmodellen» begegnen. Bei allen Möglichkeiten der digitalen Aktivität und Interaktivität bleibt Fensehen für Englert «im Prinzip ein Lean-Back-Medium». Deutschland werde «kein Volk von Programmdirektoren» werden.

«Kein Stein auf dem anderen»
Für Andre Zalbertus, den Gründer und Vorstandsvorsitzenden der Kölner Produktionsfirma AZ Media, werde durch die digitale Revolution «kein Stein auf dem anderen» bleiben. Dadurch, dass die Technik immer kostengünstiger werde, könnten es sich plötzlich Privatpersonen, Gruppen und Organisationen leisten, TV zu machen. Die Frage dabei ist für Zalbertus: «Schaffen es diese Programme auf die Fernbedienung des Zusehers?»

Zalbertus hat vor dreieinhalb Jahren begonnen, Videojournalisten auszubilden – jene Einzelkämpfer also, die mit digitaler Videokamera und einem Computer-Schnittplatz ausgestattet sind und fertige Beiträge erstellen, für die es sonst ein Team aus Redakteuren, Kameraleuten und Tonassistenten braucht.

«Das sind begehrte Menschen», sagte der Medienmanager. Der Videojournalist könne einen anderen Zugang zu einem Thema finden. Außerdem wirke die kleine Kamera weniger einschüchternd als die großen Beta-Geräte auf den Schultern von Kameraleuten. «Entscheidend bleibt jedoch, die gute Geschichte zu haben», fügte Zalbertus hinzu.

Die Suche nach dem richtigen Inhalt
Den Einsatz von Videojournalisten sieht Franz Solfrank eher skeptisch. Hochwertiges Programm sei mit einem einzigen Akteur «allein nicht zu machen», so der Geschäftsführer der Münchner Produktionsfirma Janus TV. Für Solfrank ändern sich durch die technische Entwicklung «zwar die Plattformen», über die Fernsehen konsumiert wird, «nicht aber die Inhalte». Ähnlich argumentierte auch Pino Almeida, dessen Firma Bitfilm Bewegtbilder für digitale Medien produziert. «Der Kern jedes neuen Mediums ist die Suche nach dem richtigen Inhalt.»

Einigkeit bestand bei den Teilnehmern dieses Symposiums darin, dass sich Technologien, Geschäftsmodelle und die Ansprüche des Zuschauers zwar ändern mögen: Wenn das Programm – jedenfalls für die jeweilige Zielgruppe - stimme, dann passe auch die Quote. Gut möglich, dass es auch daran lag, dass die Veranstalter hinter den Titel «Zukunft des Fernsehens» ganz bewusst kein Fragezeichen gesetzt haben. (nz)