24. Sep 2005 08:28
Wenn EU-Kommissarin Reding am Montag den Zeitungskongress besucht, haben die Verleger «klare Botschaften» für sie. BDZV-Geschäftsführer Fuhrmann sagte der Netzeitung, was sein Verband von EU und künftiger Bundesregierung erwartet.
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) will auf seinem am Montag in Berlin beginnenden Kongress die Zukunft der Zeitungsbranche diskutieren. Erwartet werden zu dem zweitägigen Treffen rund 500 Vertreter von Verlagen, Politik, Wirtschaft und Kultur, darunter Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) und die EU-Kommissarin Viviane Reding.Den Kongress will der Verband nicht nur zum Meinungsaustausch nutzen. Die Verleger haben ganz «ganz klare Botschaften» für die EU-Medienkommissarin, so der Geschäftsführer und Kommunikationschef des BDZV, Hans-Joachim Fuhrmann. Im Gespräch mit der Netzeitung sagte er auch, was die Branche von der künftigen Bundesregierung erwartet.
Netzeitung: Der BDZV hat sich gegen die Zulassung von so genanntem Product Placement im Fernsehen ausgesprochen. Sehen sich die Zeitungsverlage gegenüber den Sendern in ihren Werbemöglichkeiten benachteiligt?
Hans-Joachim Fuhrmann: Das ist nicht der Punkt. Für uns ist grundsätzlich eine klare Trennung von Programm und Werbung, beziehungsweise von Redaktion und Werbung, wichtig. Das hat etwas zu tun mit Vertrauen von Mediennutzern in die Medien und mit Glaubwürdigkeit. Jede Vermischung wird das Vertrauen und die Glaubwürdigkeit erschüttern.
Wenn sich die EU-Kommission jetzt beim Fernsehen für eine Legitimierung von bisher Verbotenem stark macht, ist zu befürchten, dass das auch in die Printbranche rüberschwappt.
Und es werden Begehrlichkeiten geweckt. Die werbetreibende Wirtschaft, also Werbeagenturen und Unternehmen, haben sicherlich ein Interesse daran, dass sie ihre Produkte in Programme einbinden können. Dieses Interesse besteht auch in Bezug auf redaktionelle Inhalte. Und das wollen wir nicht. Der Druck auf die Printmedien könnte sich erhöhen.
Netzeitung: Sie erwarten die für Medien zuständige EU-Kommissarin, Viviane Reding, zum Zeitungskongress in Berlin. Was wollen sie ihr mit auf den Weg nach Brüssel geben?
Fuhrmann: Die Botschaften werden ganz klar sein: Weg mit dem Plan, Product Placement zu legitimieren, und weg mit allen Werbeverboten und -restriktionen, ob die nun Tabak, Alkohol oder Nahrungsmittel betreffen.
Immer mehr Restriktionen führen dazu, dass wir weniger Werbung in Zeitungen und Zeitschriften haben. Weniger Werbung heißt weniger publizistische Leistungskraft und bedeutet letztlich auch weniger Arbeitsplätze für Redakteure und Verlagsangestellte.
Aber es geht uns vorrangig nicht um ökonomische Gründe, es geht um Werbefreiheit und um den Umgang mit dem Verbraucher als mündigem Bürger. Für mich ist unbegreiflich, warum man den Verbraucher einerseits mit Product Placement offensichtlich für dumm verkaufen will, und andererseits Werbung, die klar als solche ausgewiesen ist, verbieten will. Wir hoffen, dass auch die künftige Bundesregierung ihren Einfluss in diesem Sinne geltend macht.
Netzeitung: Ist das ihre zentrale Erwartung an die neue Regierung?
Hans-Joachim Fuhrmann: Nicht nur. Von der neuen Regierung erwarten wir vor allem, dass im Rahmen der Diskussionen rund um Mehrwehrsteuererhöhungen der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Presseerzeugnisse erhalten bleibt. Wir zahlen sieben Prozent für Vertriebserlöse. Das sollte nicht angetastet werden.
Mit Hans-Joachim Fuhrmann sprach Solveig Grothe.