INSM: Werbung in «Marienhof» war «Fehler»
Netzeitung: Ihre Initiative hat 2002 insgesamt 58.670 Euro bezahlt, um mitzubestimmen, worüber sich die Figuren in sieben Folgen der ARD-Vorabendserie «Marienhof» unterhalten. Was wollten Sie damit erreichen?
Dieter Rath: Wir haben versucht, Themen populär zu machen, die in der öffentlichen Diskussion waren. Beispielsweise das Thema Zeitarbeit. Das war damals in Deutschland noch weitgehend unbekannt. Zwar gab es schon Zeitarbeitsfirmen, aber die sollten noch bekannter gemacht werden. Wir haben deshalb das Angebot der Agentur H.+S. angenommen und sie beauftragt: 'stellt das mal positiv dar'. Gegen Zeitarbeit gab es damals viele Vorurteile.
Das zog sich dann über mehrere Folgen und sah so aus: In der Serie wurde eine Frau, die arbeitslos war, von Freunden auf die Möglichkeit von Zeitarbeit aufmerksam gemacht. Sie wurde dann auch in ein Warenhaus vermittelt, hat sich reingehängt und Leistung gebracht und bekam nach kurzer Zeit vom Chef eine Vollzeitstelle angeboten.
Ein anderes Thema in der Serie war Brutto und Netto. Aus Umfragen wussten wir, dass viele Leute den Unterschied nicht kennen. Den wollten wir deutlich machen. Die Zusatzinformation war: Der Unterschied ist beträchtlich. Wir haben schon immer beklagt, das unsere Steuern und Abgaben in Deutschland zu hoch sind. Der Staat kassiert bei uns zuviel ab und dann bleibt netto zu wenig übrig, um beispielsweise privat vorzusorgen. Solche Botschaften werden bei dem Thema natürlich mittransportiert.
Das dritte von uns platzierte Thema war Wirtschaft und Schule. In vielen Bundesländern gibt es Diskussionen darüber, Wirtschaft als Unterrichtsfach einzuführen. Wir wollten befördern, dass das positiv gesehen wird.
Netzeitung: Und hatten Sie Erfolg?
Rath: Der war nicht messbar. Was die Agentur uns gegeben hat, war die Reichweite. Unsere Botschaften wurden danach an rund zwei Millionen Zuschauer gebracht. Ob sie die wirklich bemerkt haben, können wir nicht sagen.
Es war für uns eine Episode. Nach den sieben Folgen, die im Sommer 2002 liefen, haben wir das wieder eingestellt. Sieben Folgen von mehr als 200 im Jahr sind auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wenn man intensiv und nachhaltig werben will, ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis einfach zu ungünstig. Wir haben dann andere Prioritäten in unserer Arbeit gesetzt und keine weiteren Angebote der Agentur angenommen.
Netzeitung: Nach den Themenplatzierungen im «Marienhof» ist Ihre Initiative ist jetzt mit den Vorwurf der Schleichwerbung konfrontiert. Die Gewerkschaft Verdi wirft Ihnen zudem Medienmanipulation vor.
Rath: Im Nachhinein müssen wir schon einräumen, dass das ein Fehler war. Zum damaligen Zeitpunkt hatten wir kein schlechtes Gewissen dabei, zumal uns die Vermittlungsagentur mehrfach versichert hat, dass das, was sie uns anbietet, mit dem Rundfunkgesetz in Einklang steht, und die zuständige ARD-Redaktion die Stücke abnehme.
Den Generalvorwurf von Verdi, wir würden die Medien manipulieren, weisen wir zurück und auch, dass wir Jugendliche manipulieren wollten. Meiner Ansicht nach ist Marienhof keine Jugendsendung, auch wenn sie im Vorabendprogramm ausgestrahlt wird. Es ist keine Sendung für Zehn- bis Zwölfjährige.
Netzeitung: Verdi fordert von Ihnen, sämtliche Medienaktivitäten offenzulegen. Wo begegnet uns die «Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft» noch, ohne dass wir es ahnen?
Rath: Geheimnisse haben wir nicht. Wir haben ganz normale Presse- und PR-Arbeit in allen möglichen Medien. Wir geben beispielsweise wissenschaftliche Studien bei verschiedenen Wirtschaftsinstituten in Auftrag, die wir dann exklusiv oder per Pressemitteilung veröffentlichen. Da steht dann dabei, wer sie in Auftrag gegeben hat. Alles, was wir bisher gemacht haben, kann man auf unserer Website nachlesen.
Mit Dieter Rath sprach Solveig Grothe.

