20.09.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Product Placement: Bisher nur in Kino-Filmen erlaubt.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die EU-Kommission berät in Liverpool über die Novellierung der so genannten Fernsehrichtlinie. In welche Richtung die Änderungen gehen sollen, dazu haben die Privatsender klare Vorstellungen.
Die RTL-Gruppe fordert eine Liberalisierung der Werbebeschränkungen im deutschen Privatfernsehen. Angesichts des schwierigen Marktumfeldes müsse den Privatsendern die Möglichkeit gegeben werden, sich angemessen zu refinanzieren, sagte RTL-Informationsdirektorin Ingrid Haas der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».
RTL wolle in seinem Programm in Zukunft mehr kürzere Werbeinseln und Einzelspots statt der wenigen längeren Werbeblöcke zeigen. Das ist jedoch nach dem geltenden Rundfunkstaatsvertrag nicht zulässig. Der schreibt vor, dass ein Programm höchstens alle 20 Minuten durch Werbung unterbrochen werden darf.
Freiheit für Product PlacementDie Sendergruppe, zu der RTL, RTL II, Super RTL, Vox und RTL Shop gehören, will außerdem, dass die Werbezeitenbeschränkung in Zukunft nicht mehr für jede Sendestunde eingehalten werden müssen, sondern auf den ganzen Tag gerechnet. Mehr Freiheiten fordert RTL auch für das so genannte Product Placement. Anders als im Kino ist im deutschen Fernsehen die Integration von Produkten oder Markennamen zu Werbezwecken in Filme ist verboten.
Haas rechnet damit, dass es noch mehrere Jahre dauern werde, bis in Deutschland flexiblere Fernsehwerberegelungen umgesetzt würden. In den kommenden Monaten stünden jedoch wichtige Weichenstellungen an, sagte sie der Zeitung.
Novellierung bis JahresendeÄhnliche Forderungen wie RTL machte zu Beginn der europäischen Rundfunkkonferenz in Liverpool am Dienstag auch der Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) auf. Verbandspräsident Jürgen Doetz forderte in Berlin die weitgehende Aufhebung von Werbegrenzen. Zuschauer könnten selbst entscheiden, wie viel Werbung in den Programmen gezeigt werden sollte, hieß es zur Begründung.
Im Mittelpunkt der EU-Fachkonferenz steht die geplante Neuregelung der europäischen Fernsehrichtlinie «Fernsehen ohne Grenzen» von 1997. Die Brüsseler EU-Generaldirektion Informationsgesellschaft und Medien hat dazu verschiedene Vorschläge gemacht, die in Liverpool von Dienstag bis Donnerstag diskutiert werden sollen. Zu der Konferenz werden rund 430 offizielle Teilnehmer erwartet.
VPRT: Keine SchleichwerbungDer deutsche private Rundfunk erhofft sich von einer neuen Fernsehrichtlinie, dass sie einen «zukunftsfähigen Rechtsrahmen für die nächsten 10 bis 15 Jahre» schafft. Mit ihrem Inkrafttreten wird aber nicht vor Ende 2006 gerechnet.
Doetz forderte, quantitative Werbevorschriften wie die zeitliche Begrenzung sowie das Einfüge- und Blockwerbegebot ganz abzuschaffen. Auch die jetzigen qualitativen Bestimmungen müssten den Veränderungen durch neue digitale Technik angepasst werden. Eine Irreführung des Verbrauchers sollte aber ausgeschlossen werden.
Wenn auf Produkt-Platzierungen mitten in Sendungen eigens hingewiesen würde, wäre es aus Sicht des VPRT keine Schleichwerbung mehr. Redaktionelle Unabhängigkeit und Transparenz für die Zuschauer könnten so gleichermaßen gewährleistet werden.
Nach Verbandsangaben sorgen die Mitgliedsfirmen im Bereich des privaten Rundfunks für einen Netto-Werbeumsatz von jährlich 4,75 Milliarden Euro. Private Fernseh- und Radiosender in Deutschland beschäftigten rund 25.000 Arbeitnehmer. (nz)