netzeitung.de«Gottschalk & Friends» auf Nabelschau

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Gottschalk und Brigitte Nielsen in 'Gottschalk & Friends' (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gottschalk und Brigitte Nielsen in 'Gottschalk & Friends'
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Thomas Gottschalks Late-Night-Versuch zeigt, woran auch «Wetten, dass...?» seit einiger Zeit krankt: Der Moderator sieht nur noch sich selbst. Dass es am Mittwoch trotzdem lustig wurde, lag an anderen.

Wer noch vor wenigen Wochen behauptet hätte, dass man die ZDF-Allzweckwaffe Johannes B. Kerner irgendwann einmal vermissen würde, der wäre für unzurechnungsfähig gehalten worden.

Doch dann kam «Gottschalk & Friends», der neue Late-Night-Versuch der «Wetten, dass...?»-Ikone, und alles ist anders. Seit dem vergangenen Dienstag darf der 55-Jährige auf Kerners Sendeplatz pralle acht Folgen lang ausführlichst Rückschau auf seinen Werdegang nehmen, sich liebe Menschen und/oder Altstars jedweger Coleur einladen und sich vor allem als das präsentieren, als das er sich sieht: Deutschlands größter noch lebender Moderator.

«Supernasen» unter sich
Das nimmt dann teilweise bizarrre Züge an, so etwa in der Show vom gestrigen Mittwoch. Da saß Schauspielerin Uschi Glas, zuletzt von Creme-Affäre und Ehedrama reichlich gebeutelt, nun aber wieder zunehmend im TV-Geschäft. Als Gast aber schien sie diesmal nur eine Funktion zu haben: Sie hat vor langer Zeit mal in einem Film mitgespielt, in dem auch «Supernase» Thomas Gottschalk zu sehen war - oder wäre es eigentlich umgekehrt?
Alles gesehen, alle groß gemacht
Doch um die Gäste geht es bei «Gottschalk & Friends», der Show mit dem eingebauten Retro-Faktor, ohnehin nur sehr am Rande. Neben Glas saßen in der Sendung übrigens noch die zweite «Supernase» Mike Krüger und Schauspieler Ottfried Fischer eher unbeteiligt auf der knallroten Ledercouch. Sie durften zusehen, wie ein Mann mit Gitarre das Studio betrat. Dessen Karriere habe, so der Gastgeber im Allmachts-Ton der ganzen Veranstaltung (Gottschalk: «Was ja auch noch nicht viele wissen: Ich war Nachrichtensprecher!») vor allem ja er selbst «in Deutschland groß gemacht».

Weltstar Chris de Burgh lächelte diese Düpierung ebenso souverän weg wie die Tatsache, dass unmittelbar nach ihm schon der nächste, ebenfalls mit Gitarre bewaffneten Gast in die Runde hinein- und durchgewunken wurde. US-Songschreiber Albert Hammond («It never rains in Southern California») brachte dann aber Stimmung in die Runde, in dem er einfach seine alten Hits anspielte. De Burgh und Krüger klampften beseelt mit, so dass auch der Gastgeber mal nicht von sich selbst redete.

Nena wehrt sich
Pannen wie am Vorabend, wo der fahrig wirkende Moderator Sängerin Nena fälschlicherweise einen Auftritt in «Wetten, dass...?» unterjubelte (die dort aber nie war und fragte: «Hörst Du mir überhaupt zu?«) blieben diesmal aus. Vielleicht hatte Gottschalk ja bereits die verheerenden Kritiken für seine erste Show («alter Onkel», «eitles Unterfangen», «Betonung auf dem Ich») gelesen.

Spannend dürfte bei den noch anstehenden sechs (!) Folgen mit teilweise kruden Titeln (etwa: «Models und Modeexperten» mit Verona Pooth) vor allem eine werden: Die vom kommenden Dienstag («Newcomer und Giganten»), wenn Günther Jauch, Rudi Carrell und Oliver Pocher kommen und der nächtlichen Nabelschau hoffentlich ein Ende machen.

Die Zuschauer jedenfalls wurden der zweiten Folge der Show bereits untreu: Nur noch 1,27 Millionen (Marktanteil 8,1 Prozent) schalteten ein.


Für das Web ediert von Kerstin Rottmann