netzeitung.dePrivat-TV kein «Unterschichtenfernsehen»

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Erfand das Bild von "Unterschichtenfernsehen": Harald Schmidt. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erfand das Bild von "Unterschichtenfernsehen": Harald Schmidt.
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Top-Verdiener und Bessergebildete ziehen häufig das Privatfernsehen den Programmen von ARD und ZDF vor. Das ergab eine Langfrist-Studie eines TV-Vermarkters.

Die Bezeichnung «Unterschichtenfernsehen» für das Programm der Privat-Sender ist nach einer Langfrist-Studie aus der Werbevermarktung unzutreffend. Der Untersuchung zufolge wird das deutsche Privatfernsehen von allen gesellschaftlichen Schichten und Berufsgruppen gleichermaßen genutzt. Top-Verdiener und Bessergebildete hielten das Privat-TV darüber hinaus oft für besser als die programmlichen Leistungen von ARD und ZDF. Zu diesen Schlüssen kommt die am Mittwoch veröffentlichte Studie der ProSiebenSat.1-Vermarktungsfirma SevenOneMedia.

Grundlage der Studie sind nach Angaben der Autoren die Daten der GfK-Fernsehforschung in Nürnberg. Zudem ließen sie seit 1993 bis zu 9000 Personen jährlich durch das Institut Forsa befragen. Untersucht wurde allerdings ausschließlich die für die Werbewirtschaft wichtige Altersgruppe von 14 bis 49 Jahren.

Bildungsniveau, Einkommen und berufliche Stellung der Zuschauer haben nach den Ergebnissen der Studie keinen Einfluss auf die Entscheidung zwischen Privatsendern auf der einen und ARD/ZDF auf der anderen Seite. Selbst bei Top-Verdienern und Bessergebildeten schneidet das Privat-TV nach SevenOneMedia-Angaben zum Teil besser ab als ARD und ZDF.

So erreichten die Privatsender bei Menschen mit mehr als 2500 Euro monatlichem Haushalts-Nettoeinkommen – in der Studie als «Top-Verdiener» bezeichnet – einen Marktanteil von 49,4 Prozent, während die öffentlich-rechtlichen Sender auf 45,5 Prozent kommen.

Als noch überraschender bewertet SevenOneMedia die hohen Zuschauer-Anteile der Top-Verdiener bei einzelnen Sendungen im Privatfernsehen, wenn man sie mit unmittelbar konkurrierenden Programmen von ARD und ZDF vergleiche. So übertreffe etwa die Ärzte-Serie «Broti & Pacek» (Sat.1) mit 26,7 Prozent das ARD-Magazin «Monitor», das 26,5 Prozent dieser Zielgruppe erreicht.

«Emergency Room» (ProSieben) toppt bei dieser Zuschauergruppe die Sendung «W wie Wissen» in der ARD. Selbst die umstrittene Realityshow «Die Burg» (ProSieben) wollten mehr Top-Verdiener sehen als «Panorama» (ARD).

Das von Komiker Harald Schmidt nach seinem Wechsel von Sat.1 zur ARD erfundene Bild vom «Unterschichtenfernsehen» sieht der ProSiebenSat.1-Vermarkter deutlich widerlegt, denn auch bei den Bessergebildeten schneide das Privat-TV in einiger Hinsicht besser ab.

Das «heute-journal» im ZDF habe beispielsweise mit 17,5 Prozent gegen die ProSieben-Serie «O.C., - California» mit 17,7 Prozent das Nachsehen. Andererseits liege der «Tatort» bei den besser Gebildeten mit 18,3 Prozent knapp vor der ProSieben-Show «Die 100 nervigsten Dinge» (18 Prozent) und «Sabine Christiansen» in der ARD (15,6 Prozent) knapp vor Hugo Egon Balders «Genial daneben« (15,5 Prozent) auf Sat.1, wobei diese Formate zeitlich nicht miteinander konkurrieren. (nz)