netzeitung.deLetzter deutscher TV-Ansager Törzs geht

 Herausgeber: netzeitung.de

NDR-Ansager Dénes Törzs (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe NDR-Ansager Dénes Törzs
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der letzte TV-Ansager in der ARD, Dénes Törzs, räumt seinen Programmplatz. Auch der NDR will nun auf kurze Vorfilme umstellen und verzichtet künftig auf einen Ansager.

Mit Beginn des Jahres 2005 verschwindet der letzte deutsche Fernsehansager von den Bildschirmen. Der NDR nimmt den 70 Jahr alten Dénes Törzs aus dem Programm - und beendet damit eine Ära.

Törzs kommentierte das gelassen: «Das Leben und das Fernsehen ändern sich, und dann ist es eben nicht mehr zeitgemäß.» Der Norddeutsche Rundfunk stellt – wie bereits alle anderen Sender – auf Vorschaufilme um, die den Zuschauern Lust auf die kommende Sendung machen sollen.

«Alle Texte selbst geschrieben»
Auch der Ansager Törzs sagte der Nachrichtenagentur AP, er habe sich immer als «Verkäufer des Programms gesehen, als jemand, der dem Fernsehen ein Gesicht gab». Er selbst bezeichnet sich auch nicht als Ansager, sondern als Programmmoderator. «Schließlich habe ich alle Texte selbst geschrieben.»

Törzs ist nicht nur der letzte seiner Zunft, sondern auch ein Pionier: Seit 1977 im Programm, sorgte er unter anderem dafür, dass die Kleiderordnung abgeschafft wurde. «Ich wollte einfach so aussehen wie die Leute, die gleichzeitig vor dem Fernseher saßen», sage er. «Das Medium war früher so kühl, das wollte ich gern aufheben.» Törzs galt deshalb lange als «der mit dem Pullover».

Acht Minuten Zeit zum Moderieren
Als dunkelhaariger Mann mit fremdklingendem Namen hatte Törzs auch unter Anfeindungen zu leiden. Ob es denn keine deutschen Ansager mehr gebe, wollte einmal ein erboster Anrufer vom NDR wissen, erzählt er. Doch sein Chef habe sich damals hinter ihn gestellt. Törzs ist slowakisch-ungarischer Abstimmung und kam 1944 mit seiner Mutter nach Deutschland.

Nach dem Abitur besuchte er eine Schauspielschule. Seit 1977 prägte der Ansager die kleinen Programmpausen beim NDR. Manchmal habe er acht Minuten am Stück Zeit gehabt, wenn im Programmschema Lücken entstanden. «Die gehörten dann mir», sagte er der AP. (nz)