Kritik an deutscher Flut- Berichterstattung
28. Dez 2004 00:40
Die deutschen Fernsehsender haben angesichts der Naturkatastrophe ein deutlich gestiegenes Informationsbedürfnis registriert. Kritisiert wurde, dass die Anstalten das Ereignis zunächst falsch eingeschätzt hätten.
Thema: Seebeben in Südasien |
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Die Naturkatastrophe in Südasien hat am Sonntagabend das Fernsehverhalten der Deutschen bestimmt. Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hatten Hauptnachrichten und Sondersendungen teilweise mehr Zuschauer als die Unterhaltungsprogramme. Die 20-Uhr-«Tagesschau» der ARD erreichte demnach 7,81 Millionen Zuschauer (27,4 Prozent Marktanteil). Das ZDF-«heute-journal» schalteten um 21.45 Uhr 7,02 Millionen (21,3 Prozent) ein, ein «Tagesschau extra» um 22.02 Uhr 6,32 Millionen (20,0 Prozent), ein «heute spezial» um 19.15 Uhr 6,21 Millionen (25,2 Prozent) und «RTL aktuell» um 18.45 Uhr 4,95 Millionen (20,5 Prozent).
BBC und CNN am schnellsten
Insgesamt registrierten die Sender ein deutlich gestiegenes Informationsbedürfnis. N-tv erreichte mit einer durchschnittlichen Einschaltquote von 1,4 Prozent laut eigenen Angaben mehr als doppelt so viele Zuschauer wie an normalen Tagen.Die Berichterstattung über das Seebeben setzte allerdings laut Medienberichten später ein als bei anderen Sendern. Laut «Süddeutscher Zeitung» hatten BBC und CNN schon früh Bilder über die Katastrophe an den Küsten Sri Lankas, Indiens, Thailands und Indonesiens gesendet. Die deutschen Nachrichtensender N24 und n-tv waren deutlich schneller als die öffentlich-rechtlichen Anstalten und schalteten sich gegen 11.30 Uhr in die Berichterstattung ein - mit einem roten Laufband am unteren Bildschirmrand. ARD und ZDF seien erst gegen 13 Uhr hinzu gekommen, schreibt das Blatt. Zwar hätten die Öffentlich-Rechtlichen abendliche Sondersendungen geplant, seien ihrem Programmablauf ansonsten aber treu geblieben.
ZDF: Früh reagiert
ARD und ZDF wiesen die Kritik als nicht zutreffend zurück. Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Klaus-Peter Siegloch sagte am Montag in Berlin, man habe «sehr früh» reagiert. Bereits um 11.29 Uhr habe das ZDF über die Katastrophe berichtet. Schwierig sei gewesen, dass man zunächst keinen Korrespondenten vor Ort gehabt habe. Im Rahmen der Möglichkeiten habe man aber breit berichtet. Die ARD-Programmdirektion in München wies darauf hin, dass das Erste ab 12.45 Uhr die Nachrichtensendungen verlängert und ab dem Nachmittag auch «Extras» der «Tagesschau» angesetzt habe. Über die Nachrichtensendungen habe man das Thema aufgefangen und regelmäßig eingestreut. Vor 12.45 Uhr seien entsprechende Bilder und Informationen aber noch nicht aufbereitet gewesen.
Großes Interesse
Das große Zuschauerinteresse deutete sich indes schon beim ersten «Tagesschau extra» um 16.47 Uhr an, als die Zuschauerzahl der ARD schlagartig von 2,56 Millionen (16,5 Prozent) für den Spielfilm «Die große Schlacht des Don Camillo» auf 3,80 Millionen (22,2 Prozent) stieg. (nz)