Schmidts Millionen-Vertrag sorgt für Ärger
06.12.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Harald Schmidt
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die raffinierte Vertragskonstruktion der neuen ARD-Show von Harald Schmidt wird kontrovers diskutiert. Die Hintergründe des Streits sind kompliziert.
«Gebührenskandal um Harald Schmidt» titelte die «Bild am Sonntag» in ihrer jüngsten Ausgabe. Die Geschichte, die das Blatt dann erzählt, ist aber nicht ganz neu: Es geht um die komplizierte Vertragskonstruktion zwischen der ARD und dem Talkmaster. Die Vereinbarung von Schmidts Produktionfirma Schmidt & Kogel GmbH ist nämlich nicht mit dem federführenden Westdeutschen Rundfunk (WDR), sondern mit der ARD-Tochter Degeto abgeschlossen worden. Dadurch unterliegt der für ARD-Verhältnisse rekordverdächtige Vertrag - geschätzte acht Millionen pro Jahr für Schmidt - auch nicht der Kontrolle des Verwaltungsrates, der über die Verwendung von Gebühren wacht.
Keine Geheimnisse?Auch der Rechnungshof könnte sich, so das Blatt weiter, die Details des Vertrages nicht ansehen, weil die Degeto keine öffentlich-rechtliche Einrichtung ist. Eine Konstruktion, für die die «Bild am Sonntag» nun Kritiker gefunden hat. So sagte etwa Christa Thoben, Mitglied des WDR-Verwaltungsrates, dass sie die Aufsichtsfunktion des Verwaltungsrates auch für diesen Vertrag einfordern wolle. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff wiederum forderte, ebenfalls in der «Bild am Sonntag», dass auch die ARD-Tochterfirmen den Gremien unterstellt werden müssten. Die ARD wehrte sich umgehend gegen Bericht.
Eigene Interessen?So wies ARD-Sprecher Björn Staschen etwa darauf hin, dass die ARD die Vertragsmodulitäten nicht verschleiert, sondern sogar selbst in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht habe. Zudem kontrollierten die Gremien der Sender auch Aufwendungen für Gemeinschaftsaktivitäten, wenn diese über einer in den einzelnen Finanzverfassungen festgelegten Grenze für zustimmungspflichtige Ausgaben lägen. Zuletzt wies der Sender darauf hin, dass die «Bild am Sonntag» möglicherweise nicht ganz uneigennützig berichte. Das Verlagshaus sei Großaktionär bei der ProSiebenSat.1 Media AG, deren Zugpferd Schmidt bei Sat.1 Ende des vergangenen Jahres seinen Abgang erklärte hatte.
Schmidt wechselte, so Staschen in seiner Erklärung, «offenbar nach Auffassung von 'Bild' und 'Bild am Sonntag' zum falschen Sender. Das sieht die ARD völlig anders.» Harald Schmidt startet seine nach ihm benannte Show am 23. Dezember, von 2005 an sind jeweils mittwochs und donnerstags Sendungen nach den «Tagesthemen» vorgesehen. (nz)