Journalisten und Blogger sind keine Konkurrenz
Dan Rather, der Chefsprecher des amerikanischen Senders CBS, ist ein gutes Beispiel. Nur wenige Stunden nachdem ein Bericht über die Militärzeit von Präsident Bush gesendet wurde, der sich auf angeblich neu aufgetauchte Dokumente stützte, hatten Blogger diese Dokumente als plumpe Fälschungen enttarnt. Rather beschwerte sich über einen «Gegenangriff» von «politischen Partisanen». Eigentlich hätte er sich bedanken sollen. Er hätte sehen müssen, dass Blogger bei der Wahrheitsfindung helfen können. Im Endeffekt soll Journalismus doch Wahrheiten liefern.
Blogger sind im Prinzip Bürger mit Druckpressen. Das gibt ihnen ihre neue Macht. Sie können, wie der Blogger Ken Layne sagt, «Fakten bis aufs Letzte auseinandernehmen».
Am wichtigsten ist aber, dass diese Leute Journalisten mitteilen, wie die Bevölkerung denkt. Nachrichten werden so von einer Einbahnstraße zu einem konstruktiven Austausch mit den Lesern.
Ich bin Journalist und Blogger. Durch Blogs haben sich mein Leben und meine Karriere grundlegend verändert. Ich habe jetzt mehr Respekt für das Wissen, das durch Pluralität und Demokratie entsteht. Ich habe sehr viel von anderen Bloggern auf der ganzen Welt gelernt. Vor einigen Jahren begann ich, deutsche Blogs zu lesen und zu verlinken. Dadurch entstanden Gespräche und Freundschaften, die sonst nie entstanden wären. Daraufhin stieß ich auf die unglaubliche Blog-Kultur im Iran und wurde im Gegenzug von den Pionieren der irakischen Blogs entdeckt, die jetzt in der Nationalversammlung sitzen.
Auf den Nachrichtenseiten für Lokales, die ich betreue, versorgen uns Blogger mit Lokalnachrichten und neuen Ansätzen, die wir niemals hätten alleine zusammentragen können. Dadurch können wir sowohl unsere Berichterstattung als auch unseren Leserkreis erweitern. Auf diese Weise könnten Blogger den Journalismus sogar vor der ökonomischen Bedrohung sinkender Werbeeinnahmen retten.
Journalisten können von Bloggern lernen, dass es wahrscheinlich besser ist, den eigenen Standpunkt deutlich zu machen, wenn man einen hat und wenn er relevant sein könnte. Vorhandene Ansichten nicht zu äußern ist Lügen durch Weglassen.
Auf einem Treffen der führenden amerikanischen Journalisten sagte ich zu diesem Thema: «Diese Kultur der Transparenz verlangt von uns offen zu sein. Und haben wir nicht genau das schon immer von denen, über die wir schrieben verlangt? Wir haben doch Politiker und Geschäftsleuten über die wir berichteten aufgefordert, offen und ehrlich zu sein. Jetzt ist es an uns, unsere Arbeitsabläufe und unsere vorgefassten Meinungen zu enthüllen. Wir müssen uns an der Diskussion beteiligen, wir müssen an der Gesellschaft teilnehmen, wir müssen transparent sein.»
(Mich würde interessieren, ob Weblogs einen Einfluss auf Deutsche und Europäische Nachrichten haben. Wenn sie darüber etwas wissen, schreiben sie mir bitte eine E-Mail an: jeff@buzzmachine.com)
Jeff Jarvis ist einer der bekanntesten Blogger in den USA. Er arbeitete außerdem für verschiedene Verlage als Journalist.
