04. Okt 2004 10:31
Keine leichte Sendung für Gottschalk: Erst machte Comedian Mittermeier Witze über den Hitler-Film «Der Untergang», dann stürmte ein Randalierer herein.
Bis kurz vor dem Finale lief die 150. Sendung von «Wetten, dass...?» aus dem Berliner Velodrom gut.Mit einer Wette, bei der 36-jährige Bernd Strasser den Bahn-Tower am Postdamer Platz per Seil erklimmen wollte (und scheiterte), hatte Thomas Gottschalk seinen Wettkönig gefunden. Auch die Berliner, die unter dem Fernsehturm ein Oktoberfest organisieren sollten, hatten gute Karten: Die Wette unter der Obhut von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit wurde gewonnen.
Bis dann ein stadtbekannter Randalierer die ZDF-Show störte: Der 45-jährige Andreas Roy brüllte in der Halle von Kirchenaustritten («Gott soll austreten»), Abtreibung und Buße und warf Flugblätter auf die Zuschauer. Die Polizei nahm den Mann vorübergehend fest.Bereits Anfang Juli hatte Roy den ZDF-Fernsehgottesdienst in Mainz gestört und war dafür Ende September zu fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Der Mann ist mehrfach vorbestraft, nun wurde er wegen Hausfriedensbruch und Körperverletzung angezeigt. Der Moderator selbst reagierte souverän auf die Störung. «Solange du nicht aufhörst zu quatschen, höre ich auch nicht auf», so Gottschalk zum dem Mann. Der «Bild» gab er später zu Protokoll: «Ich gehe davon aus, dass bei 3000 Leuten mehr als nur ein Verrückter dabei ist».
Weit mehr hatte den Entertainer der Tod seines Freundes, des langjährigen «Wetten, dass...?»-Regisseurs Alexander (»Sascha») Arnz getroffen. Von ihm verabschiedete sich Gottschalk am Ende der Show mit belegter Stimme und Tränen in den Augen: Vor ein paar Tagen noch habe der 72-Jährige ihm im Krankenbett gesagt, auch die 150. Ausgabe von «Wetten, dass...?» aus dem Berliner Velodrom anzusehen. «Ich bin überzeugt, er hat heute trotzdem zugesehen. Sascha, ich danke dir.«In den zwei Stunden zuvor, die von bis zu 12,7 Millionen Zuschauern (Marktanteil über 45 Prozent) verfolgt wurde, gab sich Gottschalk schlagfertig wie immer. «Ich glaube, du bist der einzige 70-Jährige, bei dem die Krankenschwestern im Bett liegen», ulkte er bei der Begrüßung von Sänger Udo Jürgens, auch die Talks mit Sophia Loren und Sängerin Yvonne Catterfeld gingen locker über die Bühne.
Weniger wohl fühlte sich Gottschalk allerdings im Verlauf des Gespräch mit Comedian Michael Mittermeier. Der erzählte zunächst durchaus amüsant, wie er sich kürzlich in New York als Komödiant durchgeschlagen hatte, etwa, in dem er die unvermeidlichen Fragen nach Hitler auf die Schippe nahm. Wortspiele mit »Der Untergang«, dem Film, in dem Gottschalks Gast Alexandra Maria Lara Hitlers Sekretärin spielt, waren Gottschalk doch zu riskant. Diese Thematik sei «schlüpfrig».(nz)