23. Jul 2004 15:47
Der Kisch-Preisträger Gerd Rosenkranz scheidet beim «Spiegel» aus. Das gilt als eine weitere Folge energiepolitischer Auseinandersetzungen in der «Spiegel»-Redaktion.
Der «Spiegel»-Redakteur Gerd Rosenkranz (54) hat laut Informationen der Netzeitung seinen Arbeitsvertrag mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin im beiderseitigen Einvernehmen gelöst. Er folgt darin seinem Kollegen und Ko-Autor Harald Schumann, mit dem gemeinsam er eine intern umstrittene Titelgeschichte über die Windenergie geschrieben hatte, deren Erscheinen von «Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust verhindert worden war. Schumann war im April im Zorn gegangen, nachdem eine andere Titelgeschichte zum Thema, mit klarer Tendenz gegen die Öko-Energie, im «Spiegel» erschienen war. Das ursprüngliche Stück war von Aust als zu Öko-Energie-freundlich eingestuft worden.Rosenkranz sagt zu seinem Weggang aus der «Spiegel»-Redaktion, in deren Berliner Büro er gearbeitet hat, nichts: «Das kommentiert sich selbst», meinte er im Gespräch mit der Netzeitung.
Laut Informationen aus «Spiegel»-Kreisen in Hamburg hat eine weitere Auseinandersetzung über Energiepolitik mit den Ausschlag für Rosenkranz' Rückzug gegeben. Demnach hatte Rosenkranz mit anderen «Spiegel»-Leuten gemeinsam ein Stück über die energiepolitischen Folgen der Ölpreis-Erhöhung durch Anschläge in Irak und in Saudi-Arabien geschrieben. Es sei als Aufmacher der Politikstrecke im «Spiegel» vom 7. Juni vorgesehen gewesen, heißt es.
Als Aust den Artikel zu sehen bekam, musste am Freitagabend vor Erscheinen noch einiges im weitgehend fertigen Heft umgebaut werden. Passagen, die in den Augen des Chefredakteurs zu aufgeschlossen gegenüber Erneuerbaren Energien gewirkt hätten, seien gestrichen, der Artikel umredigiert, auf zwei Seiten gekürzt und im Heft nach hinten verschoben worden, heißt es. In das Loch in der Blattstruktur sei ein Stück gehoben worden, das schon wochenlang im Stehsatz gelegen hatte. Die unpässlichen Passagen in dem Artikel wurden, wie es «Spiegel»-intern heißt, allesamt Rosenkranz angelastet, der daraufhin um das entscheidende Personalgespräch ersucht haben soll.
Aust hat sich dazu auf Anfrage der Netzeitung nicht geäußert.