24.05.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Doris Schröder-Köpf
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Kanzler-Ehefrau Schröder-Köpf und das SPD-Präsidium haben die Berichterstattung über die Kanzler-Ohrfeige kritisiert. Der arbeitslosen Lehrer Ammoser dürfe nicht «zum Helden stilisiert» werden.
Doris Schröder-Köpf hat empört auf einen Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» über den arbeitslosen Lehrer reagiert, der ihren Mann vergangene Woche geohrfeigt hatte. Schröder-Köpf sagte, sie verstehe nicht, wie man «einem offensichtlich gestörten Menschen mit seinen abstrusen Argumenten» soviel Raum in der Berichterstattung geben könne. Dadurch würden Nachahmer ja geradezu ermuntert. «Bei einer Ohrfeige sind es drei Seiten, bei einem Messerstich vielleicht sogar vier Seiten», sagte Schröder-Köpf. «Der Spiegel» habe den Mann geradezu «zum Helden stilisiert».
Das Magazin hatte den 52-jährigen Jens Ammoser nach der Attacke auf den Kanzler sofort unter Vertrag genommen. Er hatte dem Blatt erstmals von seinem Motiv für die Tat erzählt. Er halte Schröder für «den miesesten, erfolglosesten und ahnungslosesten Kanzler, den wir je hatten». Er sei stolz auf das, was er getan habe. Das Strafverfahren gegen sich wegen Körperverletzung und Beleidigung nehme er in Kauf.
Kein Robin HoodAuch das SPD-Präsidium kritisierte das öffentliche Interesse an dem Mann. Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering sagte am Montag in Berlin, wer Gewalt anwende, dürfe nicht noch durch Aufmerksamkeit und Glorifizierung zum «Robin Hood aus dem Schwarzwald» hochgeschrieben werden. Eine solche Ermunterung durch Verdrehen der Werte und augenzwinkernde Unterstützung sei hochgefährlich für die Demokratie.
«Eine solche Ermunterung darf es nicht geben», forderte Müntefering. An den demokratischen Parteien und ihren handelnden Personen dürften nicht die Füße abgeputzt werden. Die strafrechtliche Verfolgung des Mannes sei richtig. Über dessen Tat herrsche «tiefe Betroffenheit im Präsidium». (nz)