Eine seriöse überregionale Zeitung im Tabloid-Format herauszubringen, ist in Deutschland keine solche Grenzüberschreitung wie in Großbritannien. Die Formate Broadsheet und Tabloid wiesen Zeitungen dort bis zum Schritt des «Independent» klar als seriöse oder eben als Boulevardzeitung aus. Im Kleinformat erschienen außerhalb des Boulevard zuvor nur Beilagen oder als Beilagen vermarktete Zeitungsbestandteile wie der hoch erfolgreiche «G2» im «Guardian». Anderswo, etwa in Spanien und Frankreich, ist die Wahl des Kleinformats längst keine Frage des Zeitungsgenres mehr, so wie in Deutschland «Bild» und «FAZ» das gleiche Großformat haben. Blattmacher und Layouter schätzen das Tabloid-Format, weil es eine zeitschriftenähnliche Seitengestaltung in der Tageszeitung erlaubt.
Den Erfolg des Kleinformats hauptsächlich bei Stadtbewohnern erklärten die britischen Trendsetter vor allem mit seiner geringeren Spannweite: Tabloid ist in der U-Bahn leichter lesbar, ohne den Nachbarn zu bedrängen. Und tatsächlich wurden junge Leser mit dem neuen Produkt gewonnen, die bis dahin keine Zeitung gekauft hatten. (nz)